Bestimme Libellenarten an deinem Gartenteich im Mai durch das Finden verlassener Larvenhäute (Exuvien). Fachanleitung für Monitoring und Artenschutz am Ufer.
Wenn die Temperaturen im Mai steigen, vollzieht sich an deinem Gartenteich ein faszinierendes biologisches Phänomen. Libellenlarven, die teils mehrere Jahre räuberisch unter Wasser gelebt haben, suchen die Uferzone auf. Sie erklimmen vertikale Strukturen wie Halme von Seggen (Carex) oder Schilfrohr (Phragmites australis), um dort ihre letzte Häutung zu vollziehen. Was zurückbleibt, ist die Exuvie – ein exaktes Abbild der Larve aus Chitin (einem widerstandsfähigen Mehrfachzucker), das oft wochenlang am Halm haften bleibt.
Für dich als Naturbeobachter bietet dies einen entscheidenden Vorteil: Während die adulten (erwachsenen) Libellen oft flink und schwer zu identifizieren sind, erlauben die Exuvien eine Bestimmung in aller Ruhe. Sie sind der Beweis dafür, dass dein Teich als Lebensraum funktioniert. Ein bloßes Sichten einer fliegenden Libelle besagt lediglich, dass sie zu Besuch ist; eine Exuvie belegt die erfolgreiche Bodenständigkeit der Art.
Um die Funde einzuordnen, musst du zunächst zwei Unterordnungen unterscheiden. In Mitteleuropa begegnen dir am häufigsten die Zygoptera (Kleinlibellen) und die Anisoptera (Großlibellen). Nach aktuellen Beobachtungsdaten lassen sich diese bereits am Bau der Exuvie sicher trennen:
| Merkmal | Kleinlibellen-Exuvie (Zygoptera) | Großlibellen-Exuvie (Anisoptera) |
|---|---|---|
| Körperbau | Schlank, nadelartig, meist 15–30 mm | Kräftig, gedrungen, meist 30–50 mm |
| Hinterleibsanhänge | Drei blattartige Tracheenkiemen (Atmungsorgane) | Fünf kurze, dornartige Spitzen (Analpyramide) |
| Beinstellung | Schmal am Körper anliegend | Breitbeinig, oft spreizend |
| Beispielarten | Gemeine Azurjungfer (Coenagrion puella) | Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) |
In diesen Wochen kannst du besonders häufig die Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) entdecken. Ihre Exuvien sind klein und finden sich oft in der dichten Vegetation der Uferzone, etwa zwischen den Blättern der Goldnessel (Lamium galeobdolon), die den feuchten Schattenbereich am Teichrand besiedelt. Ebenfalls aktiv ist der Vierfleck (Libellula quadrimaculata). Seine Larvenhäute sind stark behaart, da sie oft in schlammigen Sedimenten leben und die Haare die Larve vor Ablagerungen schützen.
An sonnigen Stellen, wo die Rote Lichtnelke (Silene dioica) ihre ersten Blüten zeigt, schlüpft oft die Große Königslibelle (Anax imperator). Ihre Exuvien sind mit bis zu 55 Millimetern beeindruckend groß und weisen sehr große Augenpartien auf. Achte bei der Suche auch auf flachere Zonen, in denen sich Erdkröten (Bufo bufo (Linnaeus, 1758)) oder der Grasfrosch (Rana temporaria Linnaeus, 1758) aufhalten. Libellenlarven nutzen dieselben flachen Wasserbereiche zur Aufwärmung vor dem Schlupf.
Damit du im nächsten Mai eine reiche Ausbeute an Exuvien findest, ist die Gestaltung des Ufers entscheidend. Verzichte konsequent auf Torf bei der Anlage von Uferbeeten; Rindenkompost oder Sand-Kies-Gemische sind ökologisch wertvoller. Ein naturnaher Scherrasen, der erst spät im Jahr gemäht wird, bietet den Libellen Schutz beim sogenannten Reifungsfraß – der Phase nach dem Schlupf, in der sie fernab vom Wasser jagen, bis sie geschlechtsreif sind. Chemische Mittel haben in diesem sensiblen Ökosystem keinen Platz, da sie die empfindlichen Larvenstadien direkt schädigen würden. Die Förderung von Nützlingen geschieht hier von selbst: Eine einzige Libelle vertilgt im Laufe ihres Lebens hunderte Mücken.
Eine Exuvie ist die leere, aus Chitin bestehende Larvenhaut, die nach der letzten Häutung einer Libelle am Halm einer Uferpflanze zurückbleibt.
Im Mai solltest du vor allem an sonnigen Vormittagen suchen, wenn die Libellen ihre Metamorphose abgeschlossen haben und das Gefieder getrocknet ist.
Ja, leere Exuvien dürfen zu Bestimmungszwecken gesammelt werden. Achte aber darauf, lebende Tiere während des Schlupfprozesses niemals zu berühren.
Sie sind der einzige sichere Beleg für eine erfolgreiche Fortpflanzung und Entwicklung einer Art in deinem Teich, da nur ansässige Tiere dort schlüpfen.
Hauptartikel: Naturgarten im Mai: Vegetationssprung und Artenschutz am Teich
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