Lerne, wie du durch den richtigen Mähzeitpunkt im Juni die Artenvielfalt in deinem Garten förderst und Insekten wie die Knautien-Sandbiene effektiv schützt.
Der Juni markiert in der Phänologie (der Lehre von den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen) den Übergang vom Frühsommer zum Hochsommer. In deinem Naturgarten ist dies die Phase der höchsten biologischen Aktivität. Während viele Gartenbesitzer nun zum Rasenmäher greifen, entscheidet dein Handeln in diesen Wochen darüber, ob deine Wiese im nächsten Jahr noch dieselbe Artenvielfalt zeigt oder verarmt.
Eine ökologisch wertvolle Wiese ist kein statisches Gebilde, sondern ein dynamisches System. Viele heimische Wildpflanzen sind darauf angewiesen, dass ihre Samen vor dem Schnitt ausreifen können. Ein zu früher Schnitt im Juni unterbricht diesen Prozess und entzieht Spezialisten die Lebensgrundlage. Ein markantes Beispiel ist die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana). Diese Wildbienenart ist streng spezialisiert auf die Wiesen-Witwenblume (Artengruppe) (Knautia arvensis). Wird die Blume gemäht, während die Biene noch Pollen für ihre Brut sammelt, bricht die lokale Population zusammen.
Nach aktuellen Bestäubungsdaten ist es ratsam, die Mahd an den Blühzustand der Leitpflanzen anzupassen. Erst wenn etwa zwei Drittel der Pflanzen verblüht sind und die Samenstände trocken erscheinen, ist der richtige Moment gekommen. Dies fördert nicht nur die Flora, sondern schützt auch die Eiablageplätze von Faltern wie dem Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus).
Der herkömmliche Rotationsmäher (der klassische Rasenmäher mit rotierendem Messer) erzeugt eine starke Sogwirkung. Diese wirkt wie ein Staubsauger auf Insekten, Spinnen und kleine Amphibien. Nach ökologischen Untersuchungen überleben bei dieser Technik nur etwa 10 bis 20 Prozent der Wirbellosen den Mähvorgang.
Die bessere Wahl für deinen Naturgarten ist die Sense oder ein Balkenmäher. Diese Geräte schneiden das Gras sauber an der Basis ab, ohne die Tiere in den Mechanismus zu ziehen. Zudem bleibt das Schnittgut als ganzer Halm liegen, was den Abtransport der Nährstoffe erleichtert.
| Kriterium | Rotationsmäher | Balkenmäher / Sense |
|---|---|---|
| Auswirkung auf Insekten | Hohe Sterblichkeit durch Sog | Sehr schonend, Flucht möglich |
| Samenreife | Zerkleinert Samenstände | Erhält Samenstände zur Nachreife |
| Schnittbild | Gehäckselt (Fäulnisgefahr) | Glatter Schnitt (Heugewinnung) |
| Nährstoffentzug | Schwierig (Mulch verbleibt meist) | Ideal durch einfaches Abräumen |
Anstatt die gesamte Wiese an einem Tag zu mähen, solltest du die sogenannte Staffelmahd (das zeitlich versetzte Mähen von Teilflächen) anwenden. Teile deine Wiese in drei oder vier Zonen ein. Mähe im Juni nur die erste Zone. Die zweite folgt im Juli, die dritte im August.
Dadurch schaffst du ein Mosaik aus verschiedenen Lebensräumen. Während in der gemähten Zone frisches Grün nachwächst (der sogenannte Regrow), finden Insekten in den stehengelassenen Bereichen weiterhin Schutz und Nahrung an Pflanzen wie der Weißen Taubnessel (Lamium album). Auch Doldenblütler wie der Anis (Pimpinella anisum) können so ihre volle Wirkung als Magneten für Schwebfliegen entfalten.
Durch diese bedachte Form der Bewirtschaftung verwandelst du deinen Garten in ein Trittsteinbiotop (eine Insel innerhalb einer vernetzten Landschaft), das einen aktiven Beitrag gegen das Artensterben leistet. Es erfordert Geduld, die Wiese im Juni stehen zu lassen, doch der Reichtum an Farben und Leben im Folgejahr wird dich für diese Zurückhaltung belohnen.
Ideal ist der späte Juni, sobald etwa zwei Drittel der Leitpflanzen wie die Wiesen-Witwenblume verblüht sind und ihre Samen ausreifen konnten.
Der Balkenmäher hat keine Sogwirkung. Insekten werden nicht eingesaugt und zerhäckselt, sondern können vor den Messern flüchten.
Nein, lass es 2-3 Tage liegen und wende es. So können Samen ausfallen und Insekten in noch ungemähte Bereiche flüchten.
Mähe nie alles gleichzeitig. Lasse immer Teilbereiche als Rückzugsorte für Raupen und Käfer bis zum nächsten Schnitttermin stehen.
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