Erfahre, wie du Igel (Erinaceus europaeus) im Garten artgerecht fütterst. Wissenschaftliche Tipps zu Proteinquellen, Gefahren durch Milch und Hygienehinweise.
Um den Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) in deinem Garten fachgerecht zu unterstützen, musst du seine biologischen Voraussetzungen verstehen. Igel gehören zur Ordnung der Insektenfresser (Eulipotyphla). Ihr gesamter Verdauungsapparat ist darauf ausgelegt, chitinpanzerige Insekten wie Laufkäfer (Carabidae) oder Larven zu verwerten. Im Gegensatz zu uns Menschen oder vielen Haustieren besitzen Igel keinen Blinddarm (Caecum), der für die Aufspaltung von pflanzlichen Fasern (Zellulose) notwendig wäre.
In der modernen Kulturlandschaft finden Igel oft nicht mehr genügend natürliche Nahrung. Der Rückgang der Biomasse bei Insekten führt dazu, dass die Tiere insbesondere im Spätsommer und Herbst Schwierigkeiten haben, sich das notwendige Winterschlafgewicht von etwa 800 bis 1000 Gramm anzufressen. Eine Zufütterung ist daher oft eine wertvolle Überlebenshilfe, sofern sie die natürlichen Bedürfnisse des Tieres widerspiegelt.
Wenn du entscheidest, einem Igel zuzufüttern, sollte die Qualität der Inhaltsstoffe an erster Stelle stehen. Das Ziel ist eine hohe Energiedichte bei gleichzeitig guter Verdaulichkeit.
Das geeignetste Ersatzfutter ist hochwertiges Katzenfeuchtfutter. Achte hierbei unbedingt auf die Deklaration: Der Fleischanteil sollte bei mindestens 60 Prozent liegen. Es darf kein Getreide, kein Zucker und kein Gemüse enthalten sein. Diese Inhaltsstoffe können vom kurzen Darm des Igels nicht verarbeitet werden und führen zu Fehlgärungen und schmerzhaften Blähungen.
| Futtermittel | Bewertung | Erläuterung |
|---|---|---|
| Katzenfeuchtfutter | Sehr gut | Hoher Anteil an tierischem Protein; leicht verfügbar. |
| Rührei (ungesalzen) | Gut | In der Pfanne ohne Gewürze gestockt; hervorragende Proteinquelle. |
| Katzen-Trockenfutter | Bedingt | Nur als Beigabe oder eingeweicht; hoher Energiegehalt, aber wenig Flüssigkeit. |
| Speisereste/Gewürztes | Ungeeignet | Salz und Gewürze führen zu Organversagen beim Wildtier. |
| Obst/Nüsse | Ungeeignet | Unverdauliche Ballaststoffe; führen zu schweren Verdauungsstörungen. |
| Kuhmilch | Gefährlich | Verursacht tödlichen Durchfall aufgrund von Laktoseintoleranz. |
Es mag paradox klingen, aber die natürliche Nahrung im Garten kann für Igel problematisch sein. Regenwürmer (Lumbricidae) und Nacktschnecken (Arion vulgaris) fungieren oft als Zwischenwirte für Innenparasiten wie Lungenwürmer (Crenosoma striatum) oder Darmsaugwürmer. Ein geschwächter Igel, der vermehrt auf diese Beutetiere ausweicht, weil nahrhaftere Käfer fehlen, infiziert sich immer wieder selbst. Durch dein Angebot an sauberem Ersatzfutter im Napf reduzierst du diesen Infektionsdruck, da der Igel weniger auf die oft parasitenbelasteten Schnecken angewiesen ist.
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Flüssigkeitszufuhr. Igel benötigen ausschließlich frisches Wasser. Die weit verbreitete Annahme, Igeln Milch anzubieten, ist ein gefährlicher Irrtum. Igel leiden unter einer natürlichen Laktoseintoleranz (Unverträglichkeit von Milchzucker). Da sie das Enzym Laktase zur Aufspaltung des Milchzuckers nicht besitzen, gelangt dieser unverdaut in den Dickdarm. Dort entzieht er dem Körper Wasser, was zu heftigem Durchfall (Diarrhoe) führt. In der Folge dehydrieren (vertrocknen) die Tiere innerlich, was insbesondere für Jungigel schnell tödlich endet.
Damit deine Hilfe auch wirklich ankommt und keine Krankheiten verbreitet, solltest du die folgenden Schritte konsequent umsetzen:
Durch diese gezielte und fachlich fundierte Unterstützung leistest du einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt in deinem direkten Umfeld. Du hilfst dem Erinaceus europaeus, die kritischen Phasen des Jahres sicher zu überstehen, ohne seine natürlichen Instinkte oder seine Gesundheit zu gefährden.
Nein. Igel sind laktoseintolerant. Milchzucker verursacht schweren Durchfall, der für die Tiere durch Dehydration (Austrocknung) oft tödlich endet.
Wähle Feuchtfutter mit mindestens 60% Fleischanteil. Es darf kein Getreide, kein Zucker und kein Gemüse enthalten sein, da Igel dies nicht verdauen können.
Stelle das Futter erst in der Abenddämmerung auf. Igel sind nachtaktiv; so verhinderst du zudem, dass Fliegen oder Fluginsekten ihre Eier im Futter ablegen.
Stelle das Füttern bei dauerhaftem Bodenfrost ein. Dies ist ein Signal für den Igel, seinen Stoffwechsel zu senken und in den Winterschlaf zu gehen.
Hauptartikel: Igel gefunden? So rettest du ihn richtig (Schritt-für-Schritt Anleitung)




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