Erfahre, wie du Wildbienen im Garten effektiv förderst. Praxisnahe Tipps zu Nistplätzen, heimischen Pflanzen und dem Schutz bedrohter Bestäuber im DACH-Raum.
Im vorangegangenen Hauptartikel hast du erfahren, dass Artenschutz nicht erst in fernen Regenwäldern beginnt, sondern eine direkte Aufgabe vor deiner eigenen Terrassentür ist. Während der Schutz von prominenten Säugetieren oft abstrakt bleibt, kannst du die biologische Vielfalt – also die Variabilität aller lebenden Organismen und Ökosysteme – im eigenen Garten unmittelbar stabilisieren. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf den Wildbienen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Raum) existieren über 600 verschiedene Wildbienenarten, von denen jedoch mehr als die Hälfte auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht.
Anders als die Honigbiene (Apis mellifera) leben die meisten Wildbienen solitär. Das bedeutet, jedes Weibchen versorgt seine Brut allein, ohne die Unterstützung eines Staates. Fachleute unterscheiden zudem zwischen polylektischen Arten, die Pollen an vielen verschiedenen Pflanzen sammeln, und spezialisierten Arten. Wenn du die Artenvielfalt fördern willst, musst du vor allem die Bedürfnisse der Spezialisten kennen.
Ein wesentlicher Faktor ist die zeitliche Verfügbarkeit von Nahrung. Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) erscheint bereits bei Temperaturen ab etwa 10 Grad Celsius im März. Zu diesem Zeitpunkt ist sie auf Frühblüher wie die Sal-Weide (Salix caprea) angewiesen. Fehlen diese, verhungert die Generation, bevor sie Eier legen kann. Im Hochsommer hingegen sind Arten wie die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi) aktiv, die fast ausschließlich an Glockenblumen (Campanula) zu finden ist.




Ein Garten für Wildbienen benötigt Struktur. Das bloße Aufhängen einer Nisthilfe aus dem Baumarkt reicht oft nicht aus, da viele dieser Produkte mangelhaft verarbeitet sind (beispielsweise durch ausgefranste Bohrlöcher, die die Flügel der Tiere verletzen).
In der folgenden Tabelle findest du eine Übersicht über verbreitete Arten im DACH-Raum und deren spezifische Anforderungen an Nistplatz und Nahrung:
| Art | Nistweise | Bevorzugte Pollenquelle |
|---|---|---|
| Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) | Hohlräume in Holz oder Pflanzenstängeln | Obstbäume (Prunus), Hahnenfuß (Ranunculus) |
| Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) | Selbst genagte Gänge in mürbem Totholz | Muskatellersalbei (Salvia sclarea), Glyzinien |
| Gemeine Pelzbiene (Anthophora plumipes) | Steilwände, Lehmfugen, Erdlöcher | Lungenkraut (Pulmonaria), Taubnesseln (Lamium) |
| Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) | Selbst gegrabene Gänge in Sandboden | Weiden (Salix) |
| Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca) | Käferfraßgänge in Altholz | Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare) |
Um Wildbienen nachhaltig zu helfen, solltest du deinen Ordnungssinn im Garten neu definieren. Totholz – also abgestorbene Äste oder Baumstämme – ist kein Abfall, sondern ein essenzielles Bauelement der Natur. Viele Arten nutzen die Gänge holzbewohnender Käferlarven als Kinderstube. Ebenso wichtig ist das sogenannte Sandarium. Dabei handelt es sich um eine künstlich angelegte Fläche aus ungewaschenem, grubenerdigem Sand. Da der Großteil unserer Wildbienen im Boden siedelt, sind solche offenen, sonnenexponierten Stellen lebensnotwendig.
Durch diese gezielten Maßnahmen verwandelst du deinen Garten in eine Trittsteinbiotope – eine Kette von Lebensräumen, die es bedrohten Arten ermöglicht, sich in der Kulturlandschaft wieder auszubreiten. Artenschutz ist eine Summe aus vielen kleinen, wissenschaftlich fundierten Entscheidungen, die du jeden Tag in deinem Garten triffst.
Wildbienen sind extrem friedfertig. Ihr Stachel ist meist zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen; sie verteidigen keine Honigvorräte.
Nektar ist eine zuckerhaltige Flüssigkeit zur Energiegewinnung der erwachsenen Biene. Pollen ist eiweißhaltiger Blütenstaub, der ausschließlich der Larvenaufzucht dient.
Bei gefüllten Blüten sind die Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt. Die Biene findet weder Pollen noch Zugang zum Nektar und verhungert trotz Blütenpracht.
Gute Nisthilfen haben glatte Bohrlöcher im Längsholz (nicht Stirnholz), verwenden natürliche Materialien wie Schilf und weisen keine Risse oder Splitter auf.
Hauptartikel: Artenschutz beginnt vor der Tür: Warum wir den Fokus ändern müssen
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