Erfahre, wie du mit Frühblühern wie Sal-Weide und Lungenkraut Hummelköniginnen nach dem Winter unterstützt. Praxistipps für einen naturnahen Garten im Mai.
Wenn die Temperaturen im Vorfrühling die Marke von zwei Grad Celsius überschreiten, erwacht in deinem Garten ein faszinierendes biologisches Phänomen. Die Königinnen der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) und der Wiesenhummel (Bombus pratorum) verlassen ihre Winterquartiere im Boden. Im Gegensatz zu Honigbienen sind Hummeln bereits bei sehr niedrigen Temperaturen aktiv, da sie ihre Flugmuskulatur durch Vibration aufheizen können – ein Prozess, den wir als Endothermie (innere Wärmeerzeugung) bezeichnen. Dieser enorme Energieaufwand macht sie jedoch extrem abhängig von den ersten blühenden Pflanzen.
Die Sal-Weide (Salix caprea) ist für das Überleben der Hummelköniginnen entscheidend. Als zweihäusige Pflanze – das bedeutet, männliche und weibliche Blüten befinden sich auf getrennten Individuen – bietet sie unterschiedliche Ressourcen an. Die männlichen Kätzchen erkennst du an ihrem leuchtend gelben Aussehen; sie liefern hochwertigen Pollen als Eiweißquelle für die Brutentwicklung. Die weiblichen Kätzchen hingegen sind grünlich und produzieren reichlich Nektar, den die Königin als Treibstoff für ihre Suchflüge benötigt. In deinem Garten solltest du darauf achten, dass diese Weidenart nicht durch Zierformen ersetzt wird, die oft weniger Nektar produzieren.
Ein weiterer unverzichtbarer Partner im naturnahen Garten ist das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis). Diese Staude zeigt eine interessante biologische Besonderheit: Ihre Blüten verändern nach der Bestäubung die Farbe von Rosa nach Blau. Dies signalisiert den Hummeln, ob sich ein Anflug noch lohnt. Während kurzrüsselige Arten wie die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) manchmal den Nektarraub anwenden – sie beißen die Blütenröhre von außen auf –, gelangen langrüsselige Arten wie die Gartenhummel (Bombus hortorum) regulär an den tief sitzenden Nektar.
An den Rändern von Teichen oder in feuchten Senken deines Gartens entfaltet die Sumpfdotterblume (Caltha palustris var. palustris) im Mai ihre Wirkung. Ihre glänzenden, gelben Schalenblüten sind nicht nur für Schwebfliegen attraktiv, sondern dienen auch der Hummelkönigin als wichtige Tankstelle. In diesen feuchten Zonen triffst du oft auch auf die Erdkröte (Bufo bufo (Linnaeus, 1758)), die dort nach der Laichablage ihre Wanderung fortsetzt. Es ist wichtig, diese Bereiche ungestört zu lassen, da Hummelköniginnen ihre Nester oft in verlassenen Mäusegängen in unmittelbarer Nähe zu solchen Nahrungsquellen anlegen.
| Pflanzenart (wissenschaftlich) | Blütezeit | Ressourcenwert | Standortvorliebe |
|---|---|---|---|
| Sal-Weide (Salix caprea) | März - April | Extrem hoch (Pollen & Nektar) | Sonnig bis halbschattig |
| Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) | März - Mai | Hoch (Nektar) | Halbschattig, humos |
| Löwenzahn (Taraxacum) | April - Mai | Sehr hoch (Pollen & Nektar) | Sonnig, nährstoffreich |
| Gewöhnliche Schlüsselblume (Primula veris) | April - Mai | Mittel (Nektar) | Halbschattig, kalkhaltig |
| Sumpfdotterblume (Caltha palustris) | April - Mai | Mittel (Nektar) | Sonnig, nass |
Durch diese gezielten Maßnahmen verwandelst du deinen Garten in ein funktionierendes Ökosystem. Wenn du die Interaktion zwischen der Sal-Weide und der ersten Hummelkönigin beobachtest, siehst du das Ergebnis erfolgreichen Naturschutzes vor deiner eigenen Haustür. Die Symbiose am Winterende ist der Grundstein für ein gesundes Gartenjahr, in dem auch deine Nutzpflanzen von der Bestäubungsleistung dieser pelzigen Schwerstarbeiter profitieren.
Die Sal-Weide (Salix caprea) ist ideal, da sie besonders früh und reichhaltig Pollen und Nektar liefert. Achte auf männliche Pflanzen für die Pollenversorgung.
Nein, Hummeln sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Das Umsiedeln oder Zerstören von Nestern ist illegal und für die Kolonie oft tödlich.
Löwenzahn (Taraxacum) ist eine sogenannte Massentracht, die zuverlässig große Mengen an Nektar und Pollen bietet, wenn andere Quellen noch fehlen.
Nein, gefüllte Blüten bieten meist keinen Zugang zu Nektar oder Pollen, da die Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet wurden. Nutze nur ungefüllte Arten.
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