Erfahre, wie Du im Mai eine Benjeshecke anlegst. Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Bau einer Totholzhecke als Lebensraum für Igel, Vögel und Nützlinge.
Im ökologischen Gartenbau gilt Totholz nicht als Abfall, sondern als kostbare Ressource. Wenn Du Deinen Garten im Mai pflegst, fallen oft Schnittgutmengen an, die Du statt sie zu entsorgen, für eine Benjeshecke nutzen kannst. Benannt nach Hermann Benjes, bezeichnet dieser Begriff eine Wallhecke aus locker geschichtetem Reisig. Sie dient als Windschutz, Grundstücksbegrenzung und vor allem als Kinderstube für zahlreiche Tierarten.
Eine Benjeshecke ist ein dynamisches Biotop. Im Gegensatz zu einer gepflanzten Hecke setzt sie auf die Mithilfe der Natur. Vögel wie das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) nutzen die Hecke als Ansitzwarte. Durch ihren Kot gelangen Samen heimischer Sträucher wie dem Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) oder dem Eingriffligen Weißdorn (Crataegus monogyna) in das Innere des Walls. Dort finden sie ideale Keimbedingungen: Schutz vor Verbiss und ein feuchtes Kleinklima.
Während in weitläufigen Naturlandschaften sogar große Säugetiere wie der Elch (Alces alces (Linnaeus, 1758)) von strukturierten Waldrändern profitieren, fokussiert sich die Benjeshecke im Garten auf die Kleinstfauna. Im Inneren zersetzen holzzersetzende Pilze und Insekten wie der Balkenschröter (Dorcus parallelipipedus) das Material. Dieser Prozess der Stoffkreisläufe ist die Basis für einen gesunden Gartenboden.
Verwende für das Grundgerüst stabiles Holz, das langsam verrottet. Weichere Hölzer füllen die Zwischenräume. Achte darauf, keine invasiven Arten wie die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) zu verwenden, da diese heimische Pflanzengesellschaften verdrängen können.
| Materialtyp | Geeignete Arten (Beispiele) | Funktion im Biotop |
|---|---|---|
| Stabiles Hartholz | Stieleiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus) | Grundgerüst und Stützpfähle |
| Flexibles Reisig | Sal-Weide (Salix caprea), Hasel (Corylus avellana) | Füllmaterial und Windschutz |
| Dorniges Geäst | Wildrose (Rosa canina), Brombeere (Rubus fruticosus aggr.) | Schutz vor Fressfeinden für Vögel |
| Krautiges Material | Trockene Stängel von Königskerzen (Verbascum) | Nistmaterial für Wildbienen |
Standortwahl und Markierung: Wähle einen sonnigen bis halbschattigen Randbereich Deines Grundstücks. Markiere zwei parallele Linien in einem Abstand von etwa 60 bis 100 Zentimetern. Die Länge ist variabel, sollte aber mindestens vier Meter betragen, um eine ökologische Leitstruktur zu bilden.
Setzen der Stützpfähle: Schlage stabile Holzpfähle (etwa 1,50 Meter lang) im Abstand von einem Meter entlang der markierten Linien etwa 30 bis 40 Zentimeter tief in den Boden. Diese Pfähle halten das Material in Form. Verwende hierfür vorzugsweise unbehandeltes Eichen- oder Robinienholz, da dieses besonders witterungsbeständig ist.
Die Basis schichten: Beginne mit grobem Astwerk am Boden. Dies stellt sicher, dass eine ausreichende Belüftung gewährleistet ist und Amphibien wie die Blindschleiche (Anguis fragilis) Hohlräume als Versteck finden. Vermeide es, das Material zu fest zu treten; Lockerheit ist für die Luftzirkulation entscheidend.
Auffüllen mit Schnittgut: Schichte nun Dein restliches Schnittgut zwischen die Pfähle. Du kannst im Mai auch Rückschnitte von Stauden hinzufügen. Achte darauf, dass die Hecke zur Mitte hin etwas höher aufgetürmt wird, da das Material mit der Zeit durch natürliche Zersetzungsprozesse absinkt.
Ergänzung durch Initialpflanzungen: Um den Prozess der Heckenbildung zu beschleunigen, kannst Du vereinzelt heimische Kletterpflanzen wie die Waldrebe (Clematis vitalba) oder den Gemeinen Efeu (Hedera helix) an den Rand setzen. Diese bieten schon im ersten Jahr Deckung.
Eine Benjeshecke benötigt keinen Dünger und keine chemischen Mittel. Sollte der Wall nach ein bis zwei Jahren zusammensacken, füllst Du einfach neues Schnittgut oben nach. Beobachtungen zeigen, dass bereits nach kurzer Zeit räuberische Insekten wie die Florfliege (Chrysoperla carnea) die Hecke besiedeln. Sie sind natürliche Gegenspieler von Blattläusen in Deinem Garten.
Sollten sich unerwünschte Beikräuter direkt unter der Hecke ausbreiten, die Du mechanisch entfernen möchtest, gehe vorsichtig vor, um im Boden lebende Tiere nicht zu stören. Im Mai ist besondere Rücksicht auf eventuelle Gelege von Bodenbrütern zu nehmen. Die Benjeshecke ist ein Langzeitprojekt: Mit der Zeit wird das tote Holz zu Humus, während oben frisches Grün sprießt – ein perfektes Beispiel für die Regenerationskraft der Natur.
Der Bau ist ganzjährig möglich. Im Mai ist es ideal, um anfallenden Schnittgut direkt zu verwerten und Brutplätze für Spätbrüter anzubieten.
Vermeide invasive Neophyten wie Kirschlorbeer oder behandelte Hölzer. Heimische Arten wie Eiche, Buche und Weide sind die beste Wahl für die Biodiversität.
Eine Breite von 60 bis 100 cm und eine Höhe von 100 bis 150 cm sind optimal, um Stabilität und ausreichend Schutzraum für Tiere zu gewährleisten.
Wässern ist nicht nötig. Die Pflege beschränkt sich auf das gelegentliche Nachfüllen von frischem Reisig, da das alte Material mit der Zeit verrottet.
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