Erfahre alles über die Farbvariabilität heimischer Insekten wie der Wiesenschaumzikade. Warum Vielfalt im Garten eine überlebenswichtige Tarnstrategie ist.
Du hast dich sicher schon einmal gefragt, warum die Insekten in deinem Garten so unterschiedlich aussehen, selbst wenn sie zur selben Art gehören. Während wir im Hauptartikel die Lebensweise und den harmlosen Charakter der Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) und ihres Schutzschaums beleuchtet haben, widmen wir uns hier einem biologischen Phänomen, das Wissenschaftler seit Jahrzehnten fasziniert: dem genetischen Polymorphismus. Dieser Begriff beschreibt das Auftreten mehrerer deutlich unterscheidbarer Phänotypen (äußere Erscheinungsbilder) innerhalb einer Population.
In der Insektenwelt dient die Farbe selten nur der Ästhetik. Sie ist das Ergebnis eines Jahrmillionen dauernden Evolutionsprozesses. Bei der Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) reicht das Spektrum von einem hellen Beige über komplexe Streifenmuster bis hin zu tiefem Schwarz mit roten Punkten. Diese Variabilität ist im DACH-Raum besonders ausgeprägt. Doch warum investiert die Natur so viel Energie in diese Vielfalt?
Die Antwort liegt in der sogenannten apostatischen Selektion (frequenzabhängige Auswahl). Vögel und andere Räuber entwickeln oft ein „Suchbild“ für die am häufigsten vorkommende Farbvariante ihrer Beute. Wenn eine Zikade jedoch ein seltenes Muster trägt, wird sie vom Jäger schlicht übersehen, da sie nicht in sein aktuelles Beuteschema passt. Dieser Selektionsvorteil sorgt dafür, dass seltene Genvarianten in der Population erhalten bleiben und nicht verdrängt werden.
Nicht jede Farbe dient der direkten Unsichtbarkeit. Wir unterscheiden in der Entomologie (Insektenkunde) verschiedene Strategien, die du in deinem Garten beobachten kannst:
Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über die verschiedenen Ausprägungen der Farbvariabilität bei häufigen Gartenbewohnern im deutschsprachigen Raum:
| Art (wissenschaftlicher Name) | Typ der Variabilität | Ökologische Funktion |
|---|---|---|
| Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) | Genetischer Polymorphismus | Schutz durch optische Verwirrung (Apostatische Selektion) |
| Zweipunkt-Marienkäfer (Adalia bipunctata) | Melanismus (Dunkelfärbung) | Thermoregulation (schwarze Tiere heizen sich schneller auf) |
| Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) | Physiologischer Farbwechsel | Aktive Anpassung an die Blütenfarbe der Jagdumgebung |
| Garten-Bänderschnecke (Cepaea hortensis) | Gehäusepolymorphismus | Tarnung in verschiedenen Lichtverhältnissen des Laubwalds |
Besonders interessant ist die Beobachtung des Melanismus. In kühleren Regionen der Alpen oder in Norddeutschland treten oft dunklere Individuen einer Art auf als im warmen Rheingraben. Schwarz absorbiert Sonnenstrahlung effizienter. Ein dunkles Insekt erreicht schneller seine Betriebstemperatur und kann früher im Frühjahr mit der Fortpflanzung beginnen. Dies ist ein entscheidender Vorteil in den oft unbeständigen Wetterlagen Mitteleuropas.
Die Wiesenschaumzikade nutzt ihre Farbvarianten jedoch primär, um in den verschiedensten Habitaten – von der feuchten Streuobstwiese im Bodenseeraum bis zum trockenen Magerrasen in Brandenburg – bestehen zu können. Da sie über 500 verschiedene Wirtspflanzen nutzt, muss ihre Tarnung auf unterschiedlichsten Hintergründen funktionieren.
Um diese faszinierende Vielfalt zu unterstützen, kannst du als Gartenbesitzer aktiv werden. Es geht nicht nur darum, eine Art zu schützen, sondern den Genpool (die Gesamtheit aller genetischen Variationen) zu erhalten.
Indem du die Variabilität der Insekten verstehst und förderst, leistest du einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität. Ein Garten, in dem die Wiesenschaumzikade in all ihren Farben schillert, ist ein Zeichen für ein gesundes, genetisch reiches Ökosystem, das auch gegen äußere Umwelteinflüsse besser gewappnet ist.
Es bezeichnet das Auftreten verschiedener Farb- oder Formvarianten innerhalb derselben Art, was die Überlebenschancen der Population insgesamt erhöht.
Nein, die Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) verursacht keine nennenswerten Schäden. Sie entnimmt nur geringe Mengen Pflanzensaft und ist harmlos.
Dies ist oft eine Anpassung an kühlere Klimate (Melanismus). Schwarze Panzer absorbieren Sonnenlicht besser und wärmen das Insekt schneller auf.
Die erwachsenen Zikaden sind im DACH-Raum vor allem von Juni bis in den späten August hinein auf Wiesen und an Gartenstauden aktiv.
Hauptartikel: Wiesenschaumzikade & Kuckucksspeichel: Schädling oder Nützling im Naturgarten?




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