Erfahre, wie spätblühende Wildpflanzen wie Wasserdost und Wegwarte die kritische Trachtlücke im August füllen und Wildbienen das Überleben sichern.
Während Dein Garten im August optisch oft in voller Pracht steht, herrscht für viele Insektenarten bereits ein empfindlicher Mangel an Nahrung. Diese Phase wird in der Imkerei und Biologie als Trachtlücke bezeichnet – ein Zeitraum, in dem das Angebot an Nektar (zuckerhaltiger Pflanzensaft) und Pollen (eiweißreiche Blütenstaubkörner) massiv zurückgeht. Für staatenbildende Insekten wie die Honigbiene (Apis mellifera) oder verschiedene Hummelarten (Bombus) ist diese Zeit kritisch, da sie nun die Vorräte für den Winter anlegen oder die letzte Brut des Jahres aufziehen müssen. In diesem vertiefenden Artikel erfährst Du, wie Du durch die gezielte Auswahl von spätblühenden Wildpflanzen ökologische Trittsteine in Deinem Garten schaffst.
In der freien Landschaft führen intensive Landwirtschaft und frühe Mahd dazu, dass nach der ersten großen Blühwelle im Juni kaum noch Nahrung für Bestäuber zu finden ist. Dein Garten übernimmt hier eine Funktion als Refugium (Rückzugsort). Besonders wichtig ist dies für Solitärbienen, also Bienenarten, die keine Staaten bilden. Ein Beispiel ist die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi), deren Flugzeit eng an das Vorkommen von Glockenblumen (Campanula) gekoppelt ist.
Wenn Du spätblühende Pflanzen wählst, solltest Du auf ungefüllte Blüten achten. Bei gefüllten Zuchtsorten wurden die Staubblätter (die pollenproduzierenden Organe) in zusätzliche Blütenblätter umgewandelt. Solche Pflanzen sind für Insekten wertlos, da sie weder Pollen noch Zugang zum Nektar bieten. Heimische Wildpflanzen hingegen garantieren die Zugänglichkeit der Ressourcen.




Die folgende Tabelle gibt Dir einen Überblick über bewährte Wildstauden, die im August und September ihre Hauptblütezeit haben und besonders wertvoll für die Biodiversität (die Vielfalt des Lebens) sind.
| Pflanzenname (Lateinisch) | Blütezeit | Bevorzugter Standort | Ökologischer Nutzwert |
|---|---|---|---|
| Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium cannabinum) | Juli - Sept. | Feucht, halbschattig | Magnet für Schmetterlinge wie den Russischen Bären |
| Rainfarn (Tanacetum vulgare) | Juli - Sept. | Sonnig, eher trocken | Wichtige Pollenquelle für spezialisierte Seidenbienen |
| Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) | Juli - Okt. | Sonnig, Wegränder | Bietet hochwertigen Pollen in den Morgenstunden |
| Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea) | Aug. - Okt. | Sonnig bis halbschattig | Wichtige Energiequelle vor der Winterruhe |
| Herbst-Löwenzahn (Scorzoneroides autumnalis) | Aug. - Okt. | Sonnig, Wiesen | Lang anhaltende Blüte für späte Wildbienen-Generationen |
Um die Vitalität dieser Spätblüher zu erhalten, ist das Verständnis ihrer Standortansprüche essenziell. Viele der genannten Arten sind Ruderalpflanzen. Als Ruderalstandorte bezeichnet man Flächen, die durch menschliche Eingriffe geprägt sind, wie Schuttplätze oder Wegränder. Diese Pflanzen sind oft sehr robust und kommen mit nährstoffarmen Böden gut zurecht.
Ein häufiger Fehler im naturnahen Garten ist die übermäßige Düngung. Wildblumen aus der Region sind an moderate Nährstoffgehalte angepasst. Zu viel Stickstoff führt zwar zu schnellem Blattwachstum, verringert aber oft die Standfestigkeit und die Intensität der Blütenbildung. Zudem solltest Du verblühte Stängel im Spätsommer nicht sofort zurückschneiden. Viele Insekten nutzen die hohlen Stängel zur Eiablage oder als Überwinterungsquartier.
Indem Du diese Prinzipien anwendest, verwandelst Du Deinen Garten in eine lebensnotwendige Oase. Die Beobachtung, wie die Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) an Deinem Muskatellersalbei (Salvia sclarea) tankt oder Schwebfliegen (Syrphidae) den Rainfarn (Tanacetum vulgare) besuchen, ist der beste Beleg für Deinen Erfolg als Naturgärtner.
Die Trachtlücke bezeichnet einen Zeitraum im Hochsommer, in dem die Natur kaum noch Nektar und Pollen für Bienen und andere Insekten bereitstellt.
Bei gefüllten Blüten sind die Staubblätter zu Blütenblättern umgeformt. Sie produzieren keinen Pollen und versperren den Zugang zum Nektar.
Nein, lasse die Stängel bis zum Frühjahr stehen. Viele Insekten nutzen sie als frostsicheres Winterquartier oder zur Eiablage.
Nutze die heimische Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea). Die Kanadische Goldrute ist invasiv und verdrängt andere wichtige Pflanzenarten.
Hauptartikel: Top 5 Wildblumen im August: Diese Pflanzen retten Wildbienen & Co.
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