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Methodik & Datengrundlage

Diese Seite erklärt, wie der Naturkompass Biodiversitäts-Score berechnet wird, was er misst — und was er nicht misst.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Der Naturkompass ESG-Score ist ein standardisierter Biodiversitätsindikator für Grünflächen. Er unterstützt die interne Dokumentation, Maßnahmenplanung und ESG-nahe Berichterstattung. Er ersetzt keine behördliche Umweltprüfung, keine artenschutzrechtliche Prüfung und keine individuelle Rechts- oder Nachhaltigkeitsberatung.

Was misst der Biodiversitäts-Score?

Der Score bewertet den ökologischen Wert einer Grünfläche für Wildtiere, insbesondere Insekten, Vögel und weitere Tiergruppen. Er berücksichtigt Pflanzenbestand, Habitatstrukturen und ökologische Belastungsfaktoren.

Die Bewertung ist als relativer Vergleichsmaßstab gedacht: Wie biodiversitätswirksam ist eine Fläche im Vergleich zu anderen ähnlichen Flächen?

Der Score ist kein Zertifizierungssystem und kein behördlich anerkannter Bewertungsstandard. Er kann als Datengrundlage für ESRS-E4-nahe Biodiversitäts- und Ökosystemangaben in Nachhaltigkeitsberichten dienen.

Was misst er nicht?

  • Tatsächlich nachgewiesene Artenanzahl auf der Fläche (keine Kartierung)
  • Artenschutzrechtliche Relevanz einzelner Arten
  • Habitatqualität nach §30 BNatSchG oder vergleichbaren Rechtsgrundlagen
  • Compliance-Status gemäß CSRD, ESRS oder EU-Taxonomie
  • Boden-, Luft- oder Wasserqualität
  • Lärm- oder Lichtverschmutzungsbelastung
  • Tatsächliche Insektendichte oder Artenzahl aus Feldbegehung

Wie setzt sich der Score zusammen?

Der Score besteht aus drei Komponenten (maximal 85 Punkte):

Pflanzenwert (Pillar A)

max. 50 Punkte

Bewertet Artenzahl, Anteil heimischer Arten, Pflanzenfamilienvielfalt, Raupenwirtspflanzen, Nektar- und Pollenwert sowie unterstützte Insektengruppen. Heimische Wildpflanzen erzielen höhere Werte als Kultursorten oder nicht-heimische Arten.

Habitatstrukturen (Pillar B)

max. 35 Punkte

Bewertet vorhandene Habitatmodule (Blühwiese, Totholz, Sandarium, Teich, Hecke, Dachbegrünung u.a.) nach ökologischer Wirksamkeit und Komplementarität. Strukturvielfalt ist entscheidend — Module ergänzen sich ökologisch.

Abzüge / Belastungsfaktoren (Pillar C)

max. −15 Punkte

Abzüge für Pestizideinsatz, Torfnutzung und invasive Pflanzenarten. Diese Faktoren schädigen ökologische Prozesse aktiv. Der Malus kann durch entsprechende Maßnahmen reduziert werden.

Wie funktionieren die Risiko-Werte?

Die Risikoanalyse bewertet drei außenwirtschaftliche Risiken auf einer Skala von 0 bis 100. Die Werte werden regelbasiert aus den vorliegenden Liegenschaftsdaten abgeleitet:

Bestäuberarmut (0–100): Bewertet Risiko durch mangelnde Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten für Wildbienen und Schmetterlinge. Einflussfaktoren: Pflanzenvielfalt, Anteil heimischer Arten, Sandarium, Blühwiese, Totholz, Pestizideinsatz.

Hitzestress (0–100): Bewertet Hitze- und Trockenheitsrisiko durch geringe Grünausstattung. Einflussfaktoren: Versiegelungsgrad, Gehölzstruktur, Wasserbiotope, Bodenbedeckung.

Dokumentation & Regulierung (0–100): Bewertet Risiko durch Datenlücken, invasive Arten, Schutzgebietsnähe und fehlende Nachweise. Relevant für ESG-Audits und Berichtspflichten.

Risikoklassen: 0–25 gering · 26–50 moderat · 51–75 hoch · 76–100 sehr hoch

Was bedeutet Datenvollständigkeit?

Die Datenvollständigkeit misst, wie vollständig die hinterlegten Stammdaten, die Pflanzenliste und die Moduldokumentation sind. Sie ist unabhängig vom Biodiversitäts-Score.

Eine Liegenschaft kann einen hohen Score, aber eine niedrige Datenvollständigkeit haben — zum Beispiel wenn die Pflanzenliste lückenhaft ist und viele Arten nicht eindeutig zugeordnet wurden. Umgekehrt kann eine Fläche mit vollständigen Daten einen niedrigen Score haben, weil der ökologische Zustand tatsächlich schlecht ist.

Für ESG-Reporting-Zwecke wird eine Datenvollständigkeit von mindestens 70 % empfohlen.

Was bedeutet Strukturierte Naturbewertung?

Die strukturierte Naturbewertung orientiert sich am LEAP-Ansatz des Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD). Sie gliedert die Liegenschaftsbewertung in vier Schritte:

Locate: Standortmerkmale, Flächengröße, Schutzgebietsnähe, vorhandene Strukturen.

Evaluate: Ökologischer Zustand — Score, Artenzahl, Anteil heimischer Arten, Habitatmodule, Defizite.

Assess: Risikobewertung — Bestäuberarmut, Hitzestress, regulatorisches Risiko.

Prepare: Handlungsbedarf — priorisierte Maßnahmen und erwartete Effekte.

Die strukturierte Naturbewertung dient als Berichtsvorbereitung und entspricht nicht einem vollständigen TNFD-konformen Nature-Related Financial Disclosures-Bericht.

Snapshot-Historisierung

Jeder Score-Snapshot friert den Bewertungszustand einer Liegenschaft zum Zeitpunkt der Erstellung ein. Snapshots sind unveränderlich und dienen als revisionssichere Grundlage für Nachhaltigkeitsberichte.

Aktuell: Snapshot wurde im laufenden oder Vorjahr erstellt.

Veraltet: Snapshot ist älter als 12 Monate. Eine Neuerfassung wird empfohlen, bevor der Snapshot als Berichtsgrundlage verwendet wird.

Fehlend: Für die Liegenschaft wurde noch kein Snapshot erstellt. Alle Scores sind vorläufig und nicht für externe Berichte geeignet.

Im Snapshot werden neben dem Biodiversitäts-Score auch Risikowerte, Datenvollständigkeit und priorisierte Maßnahmen gespeichert, sodass jederzeit der historische Zustand vollständig rekonstruiert werden kann.

Portfolio-Steuerung

Das Dashboard fasst alle Liegenschaften zu Kennzahlen auf Portfolioebene zusammen und unterstützt die systematische Priorisierung von Maßnahmen:

Zuerst prüfen: Liegenschaften mit erhöhtem Risiko, Datenlücken oder Schutzgebietsnähe — diese haben den höchsten Handlungsdruck.

Aufwertungspotenzial: Liegenschaften mit niedrigem Score und großer Fläche, bei denen Maßnahmen die stärkste Portfoliowirkung entfalten.

Referenzflächen: Liegenschaften mit hohem Score, hoher Datenvollständigkeit und aktuellem Snapshot — geeignet als interne Best-Practice-Vorbilder.

Das Portfolio-Potenzial schätzt, wie viele Punkte das Portfolio im Durchschnitt durch Umsetzung der identifizierten Maßnahmen gewinnen könnte. Es handelt sich um eine regelbasierte Schätzung, keine Garantie.

Auditierbarkeit & Änderungsprotokoll

Alle relevanten Datenänderungen werden automatisch im Audit-Log protokolliert. Das Log erfasst, wer wann was geändert hat — einschließlich vorheriger und neuer Werte.

Protokollierte Aktionen umfassen unter anderem:

  • Anlage und Bearbeitung von Liegenschaften
  • Hinzufügen und Entfernen von Pflanzeneinträgen
  • Hinzufügen und Entfernen von Habitatmodulen
  • Erstellung von Score-Snapshots

Das Audit-Log dient der internen Compliance und ist nicht Teil des öffentlich zugänglichen ESG-Berichts. Es kann auf Anfrage für externe Prüfungen bereitgestellt werden.

Grenzen der Bewertung

  • Der Score basiert ausschließlich auf den hinterlegten Daten. Fehlende oder falsche Einträge können die Bewertung verfälschen.
  • Die Scorefunktionen wurden für mitteleuropäische Grünflächen konzipiert. In anderen Klimazonen oder Biomen können andere Faktoren relevant sein.
  • Raupenwirtspflanzen, Insektenwerte und Heimischstatus stammen aus der Naturkompass-Datenbank — Werte können in Einzelfällen abweichen oder fehlen.
  • Ein hoher Score garantiert keine tatsächlich hohe Biodiversität. Die Fläche kann trotz gutem Score ökologische Lücken haben, die nur durch Vor-Ort-Kartierung erfasst werden.
  • Maßnahmenempfehlungen sind regelbasierte Hinweise, keine ökologische Fachplanung.
  • Risikowerte sind regelbasierte Schätzungen auf Basis der Liegenschaftsdaten — keine versicherungsmathematischen Berechnungen und kein Ersatz für eine fachliche Risikobeurteilung.
  • Das Portfolio-Potenzial ist eine Planungsgröße. Tatsächliche Scoreverbesserungen hängen von Umsetzungsqualität, Pflegekontinuität und lokalen Bedingungen ab.

„Biodiversität von Grünflächen systematisch erfassen, bewerten und verbessern."

Naturkompass ESG unterstützt die strukturierte Dokumentation biodiversitätsrelevanter Daten für Nachhaltigkeitsberichte. Kann als Datengrundlage für ESRS-E4-nahe Biodiversitäts- und Ökosystemangaben dienen.

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