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Aus Schulfläche wird Naturgarten | Gartenexpedition #naturgarten
Gartenlebensraum

Offener Kompost

Wertvoller Lebensraum · Ratgeber, Planung & Praxis

Offener Komposthaufen als Lebensraum für Bodentiere und Nahrungsquelle für Vögel. Dieser Ratgeber bündelt Grundlagen, typische Fehler und konkrete Umsetzungsschritte für deinen Gartenalltag.

Steckbrief

  • Tier B Modul im Naturkompass
  • Ganzjährig möglich
  • Vor allem für Gartenflächen gedacht
  • Offener Komposthaufen als Lebensraum für Bodentiere und Nahrungsquelle für Vögel.
  • Praxisregel: lieber klein und stabil starten als zu groß und unklar planen.
Ratgeber lesen

Offenen Kompost anlegen: Warum ein Komposthaufen im Naturgarten mehr ist als nur Humusproduktion

Ein offener Kompost ist eines der unterschätztesten Naturmodule im Garten. Viele sehen darin nur eine praktische Ecke für Rasenschnitt, Laub und Küchenabfälle. Das ist zu kurz gedacht. Ein guter Komposthaufen ist Rohstoffkreislauf, Bodenverbesserer, Wärmespeicher, Lebensraum, Nahrungskette, Winterquartier und – in passenden Gärten – sogar potenzielle Brutstätte für Ringelnattern.

Ein offener Kompost ist eines der unterschätztesten Naturmodule im Garten. Viele sehen darin nur eine praktische Ecke für Rasenschnitt, Laub und Küchenabfälle. Das ist zu kurz gedacht. Ein guter Komposthaufen ist Rohstoffkreislauf, Bodenverbesserer, Wärmespeicher, Lebensraum, Nahrungskette, Winterquartier und – in passenden Gärten – sogar potenzielle Brutstätte für Ringelnattern.

Der entscheidende Punkt ist: Ein Komposthaufen ist kein Abfallplatz. Er ist ein lebendiger Zersetzungsraum. Dort arbeiten Bakterien, Pilze, Regenwürmer, Asseln, Springschwänze, Tausendfüßer, Schnecken, Käferlarven und unzählige Mikroorganismen daran, abgestorbenes Material wieder in fruchtbaren Boden zu verwandeln. Genau dieser Prozess ist Naturgarten in Reinform: Kreislauf statt Entsorgung.

Was ist ein offener Kompost?

Ein offener Kompost ist eine Kompostmiete oder ein luftdurchlässiger Kompostbehälter mit direktem Bodenkontakt. Anders als ein geschlossener Plastik-Thermokomposter ist er für Bodenorganismen, Feuchtigkeit, Luft und Kleintiere zugänglich. NABU empfiehlt für Gartenkompost ausdrücklich ein offenes Behältnis, das Luft- und Wasseraustausch ermöglicht.

Dieser Bodenkontakt ist ökologisch zentral. Regenwürmer, Asseln, Milben, Springschwänze, Käferlarven und andere Zersetzer können aus dem Boden einwandern. Gleichzeitig bleibt der Kompost mit dem Bodenleben verbunden. Ein Kompost auf Beton, Folie oder Pflaster ist deutlich schwächer, weil er von diesem Austausch abgeschnitten wird. NABU Düren empfiehlt deshalb halbschattige Plätze mit direktem Erdbodenkontakt und eine grobe untere Schicht aus Ästen zur Durchlüftung und Entwässerung.

Für Gartenexpedition wäre die klare Definition:

Ein offener Kompost ist ein luftiger, bodengebundener Rottehaufen, der organisches Material in Humus verwandelt und gleichzeitig Lebensraum für Bodenorganismen und Kleintiere bietet.

Warum Kompost ökologisch so wertvoll ist

Kompost schließt den Kreislauf im Garten. Pflanzenreste, Laub, Staudenstängel, Gemüsereste und Gehölzschnitt werden nicht als Müll behandelt, sondern bleiben im System. Aus abgestorbenem Material entsteht neuer Bodenaufbau. Das ist nicht nur praktisch, sondern ökologisch sinnvoll.

Kompost wirkt auf drei Ebenen:

Erstens: als Rohstoff.
Er liefert organische Substanz, Nährstoffe und Humusbausteine.

Zweitens: als Bodenverbesserer.
Er kann Bodenstruktur, Wasserhaltefähigkeit, Nährstoffspeicherung und biologische Aktivität verbessern. Studien zur Kompostanwendung zeigen, dass Kompost Bodenmikroben beeinflussen, organische Substanz erhöhen und die Bodenfunktion verbessern kann. Eine Untersuchung fand sogar nach einer einmaligen Kompostgabe über 227 Tage anhaltende Veränderungen in mikrobiellen Gemeinschaften und Pflanzenbiomasse.

Drittens: als Lebensraum.
Im Kompost leben nicht nur Mikroorganismen, sondern auch eine große Zahl sichtbarer Bodentiere. Eine klassische Untersuchung eines Gartenkomposthaufens fand, dass die Fauna eines Komposthaufens der von Boden und Laubstreu ähnelt; die größten Biomassen stellten Regenwürmer, Weichtiere und Asseln, besonders in den oberen Schichten.

Das ist wichtig: Der Komposthaufen ist kein Nebenprodukt. Er ist ein aktiver Teil des Naturgarten-Ökosystems.

Bodenleben: Der Kompost als Zersetzer-Zentrale

Im Kompost passiert genau das, was im Naturgarten oft unsichtbar bleibt: Zersetzung.

Bakterien und Pilze beginnen damit, weiche Pflanzenreste, Zellulose, Zucker, Proteine und andere organische Verbindungen abzubauen. Danach übernehmen zunehmend größere Organismen: Springschwänze, Milben, Asseln, Tausendfüßer, Schnecken und Regenwürmer. Sie zerkleinern Material, mischen organische und mineralische Bestandteile und machen die Arbeit für Mikroorganismen leichter.

Die FAO beschreibt Bodenmakrofauna wie Regenwürmer, Tausendfüßer, Hundertfüßer und Asseln als wichtige Akteure der Bodenstruktur: Sie zerkleinern organische Substanz, mischen organisches und mineralisches Material und tragen zur Aggregatbildung bei.

Für einen Naturgarten ist das zentral. Viele Menschen denken bei Biodiversität zuerst an Blüten, Wildbienen und Schmetterlinge. Aber ohne Zersetzer funktioniert kein Garten. Bodenleben ist die Grundlage. Kompost macht diese Grundlage sichtbar.

Warum offen besser ist als vollständig geschlossen

Ein geschlossener Schnellkomposter kann praktisch sein. Er spart Platz, sieht ordentlich aus und kann Küchenabfälle schneller verarbeiten. Aber als Naturmodul ist ein offener Kompost stärker.

Ein offener Kompost bietet:

  • Bodenkontakt
  • Einwanderung von Bodenorganismen
  • Luftaustausch
  • Feuchtigkeitsaustausch
  • Zugang für Käfer, Asseln, Schnecken, Würmer und Spinnen
  • Wärme- und Feuchtigkeitsgradienten
  • Verstecke für Kleintiere
  • Randbereiche für Igel, Amphibien oder Reptilien

Ein geschlossener Plastikbehälter ist dagegen eher ein technisches Kompostsystem. Das kann nützlich sein, aber es ersetzt nicht den ökologischen Wert eines offenen, strukturreichen Komposthaufens.

Die beste Lösung im Naturgarten ist deshalb oft ein Zwei-System: ein aktiver Kompost für laufende Garten- und Küchenabfälle und ein ruhiger, offener Strukturkompost oder Rottehaufen, der stärker als Lebensraum gedacht ist.

Kompost als Nahrungskette

Ein Komposthaufen produziert nicht nur Erde. Er produziert Leben – und damit Nahrung.

Im Kompost leben Würmer, Larven, Asseln, Käfer, Spinnen, Schnecken und viele andere Kleintiere. Diese werden wiederum von Vögeln, Igeln, Erdkröten, Spitzmäusen, Laufkäfern oder Blindschleichen genutzt. Der LBV beschreibt Komposthaufen als „Speisekammern“ für Vögel, weil dort viele Spinnen, Würmer, Raupen, Käferlarven und andere Insekten leben und überwintern.

Das ist ein wichtiger Punkt für deine Zielgruppe: Ein Komposthaufen sieht vielleicht unspektakulär aus, aber er füttert indirekt den Garten. Nicht mit Körnern, sondern mit einer funktionierenden Boden-Nahrungskette.

Ringelnatter: Wenn der Kompost zur Brutstätte wird

Der spannendste ökologische Sonderfall ist die Ringelnatter. Sie legt ihre Eier nicht in Sand wie viele Eidechsen, sondern nutzt warmes, verrottendes Material. Die Eier werden durch Gärungs- und Rottewärme ausgebrütet. NABU beschreibt, dass Ringelnatterweibchen meist 10 bis 30 Eier legen und der Schlupf je nach Eiablagezeitpunkt und Kleinklima meist zwischen Juli und Ende September erfolgt.

Komposthaufen, Misthaufen, Schnittguthaufen, Laubhaufen oder Hackschnitzelhaufen können deshalb wichtige Eiablageplätze sein. Die Biologische Station Rhein-Kreis Neuss beschreibt, dass Ringelnatterweibchen gezielt vergärbare Substrate wie Kompost-, Mist-, Sägespäne-Haufen oder Torfballen aufsuchen; die Gärungswärme bietet ideale Brutbedingungen.

Das bedeutet aber nicht, dass jeder Gartenkompost automatisch eine Ringelnatter-Brutstätte wird. Dafür braucht es passende Umgebung: Gewässernähe, Amphibien als Nahrung, Deckung, Sonnenplätze, störungsarme Bereiche und erreichbare Ringelnattervorkommen. In einem trockenen, isolierten Garten ohne Teich und ohne Ringelnattern in der Umgebung wird der Kompost keine Ringelnattern herbeizaubern.

Aber wenn ein Garten naturnah ist, mit Naturteich, Sumpfbeet, Feuchtwiese, Wildhecke und ruhigen Randbereichen, dann kann ein offener Kompost oder ein separater Schnittguthaufen ein wichtiges Zusatzmodul werden.

Ringelnattern sind geschützt – also nicht stören

Hier muss man klar sein: Ringelnattern sind keine Gartendekoration. Sie sind geschützte Wildtiere. In Deutschland genießen Ringelnattern nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung besonderen Schutz; sie dürfen nicht gefangen oder verletzt werden.

Wenn du Ringelnattereier oder Jungtiere im Kompost entdeckst, gilt:

Nicht umsetzen.
Nicht ausgraben.
Nicht „kontrollieren“.
Nicht den Haufen wenden.
Nicht Tiere anfassen.
Nicht Eier bewegen.
Ruhe bewahren.

Die Stadt Remscheid bittet ausdrücklich darum, im Sommer auf das Umsetzen von Mist- oder großen Komposthaufen in Feuchtgebieten und Gewässernähe zu verzichten, weil Ringelnattern dort Eier ablegen können.

Für Gartenexpedition ist die saubere Empfehlung:

Wenn ein Komposthaufen als möglicher Reptilien- oder Ringelnatterplatz gedacht ist, wird er nicht wie ein normaler Arbeitskompost ständig umgesetzt. Er bekommt Ruhe.

Der beste Aufbau für einen offenen Naturkompost

Ein guter Komposthaufen braucht Luft, Feuchtigkeit, Mischung und Bodenkontakt.

Erstens: Standort wählen.
Halbschatten ist ideal. In voller Sonne trocknet der Kompost zu schnell aus. Im tiefen Schatten kann er kalt und nass bleiben. Ein Platz neben Wildhecke, Totholzbereich, Käferkeller oder Naturteichrand ist ökologisch stark – aber nicht direkt am Haus, nicht auf Pflaster und nicht an empfindlichen Fundamenten.

Zweitens: Erdkontakt lassen.
Der Kompost steht direkt auf gewachsenem Boden. Kein Vlies. Keine Folie. Keine Betonplatte.

Drittens: Unten grobes Material einbauen.
Äste, Stängel, gröberer Gehölzschnitt oder Holzhäcksel sorgen für Luft und verhindern Staunässe.

Viertens: Grün und Braun mischen.
Grünes, feuchtes, stickstoffreiches Material wie Rasenschnitt, Gemüseabfälle oder frische Pflanzenreste wird mit braunem, trockenem, kohlenstoffreichem Material wie Laub, Stroh, zerkleinerten Stängeln, Häcksel oder trockenem Schnittgut gemischt.

Fünftens: Feucht halten, aber nicht ersäufen.
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Kompost feucht bleiben muss, weil Kleinstlebewesen Feuchtigkeit brauchen; zu viel Wasser führt aber zu Sauerstoffmangel und anaeroben Verhältnissen.

Sechstens: Nicht luftdicht abschließen.
Kompost ist ein aerober Prozess. Ohne Sauerstoff entsteht Fäulnis, Gestank und ein schlechter Lebensraum.

Was darf auf den offenen Kompost?

Gut geeignet sind:

  • Laub
  • Staudenstängel, zerkleinert
  • Rasenschnitt in dünnen Schichten
  • Gemüse- und Obstreste
  • Kaffeesatz und Teereste
  • Eierschalen
  • Wildkraut ohne reife Samen
  • Gehölzschnitt, zerkleinert
  • Pflanzenreste aus dem Garten
  • alte Topferde in kleinen Mengen
  • Stroh, Heu oder trockenes Gras
  • Holzhäcksel in Maßen

Nicht geeignet oder problematisch sind:

  • Fleisch- und Knochenreste
  • Fisch
  • Milchprodukte
  • gekochte Speisereste in größeren Mengen
  • kranke Pflanzenteile
  • Wurzelstücke invasiver oder stark problematischer Pflanzen
  • samentragende invasive Pflanzen
  • behandeltes Holz
  • Plastik
  • Bioplastik-Beutel
  • beschichtetes Papier
  • Katzen- und Hundekot
  • Straßenkehricht
  • Asche nur sehr vorsichtig und meist besser gar nicht

Die Bundesgütegemeinschaft Kompost listet für die Hausgartenkompostierung unter anderem Gemüse- und Obstreste, Eierschalen, Kaffee- und Teereste als geeignet, Fleisch- und Knochenreste, behandeltes Holz, Kunststoffe, Glas und Metalle als ungeeignet.

Für Naturgartenprojekte ist zusätzlich wichtig: Keine invasiven Pflanzen über den Kompost verbreiten. Wurzeln von problematischen Arten oder reife Samen gehören nicht in einen kalten Gartenkompost.

Kompost und Magerstandorte: Nicht überall ausbringen

Kompost ist wertvoll. Aber er ist nicht für jedes Naturmodul richtig.

Auf Gemüsebeeten, Beerensträuchern, Obstgehölzen, normalen Staudenbeeten und Gehölzrändern kann reifer Kompost sehr sinnvoll sein. Auf Magerbeeten, Sandarien, Trockenstandorten und artenreichen Wildblumenwiesen ist er dagegen oft falsch, weil er Nährstoffe einträgt und konkurrenzstarke Arten fördert.

Das ist eine wichtige fachliche Grenze. Naturgarten heißt nicht: überall Kompost drauf. Naturgarten heißt: den Standort verstehen.

Für Gartenexpedition würde ich es so formulieren:

Kompost ist Bodenmedizin – aber nicht jede Fläche braucht dieselbe Dosis.

Offener Kompost als Reptilienmodul

Wenn der Kompost auch für Reptilien funktionieren soll, muss er anders gedacht werden als ein reiner Schnellkompost.

Ringelnattern brauchen warme, feuchte, störungsarme Rottebereiche. Info fauna empfiehlt für Eiablagehaufen unter anderem vergärbares Material mit ausreichend Feinanteilen; geeignete Haufen müssen langfristig gepflegt und regelmäßig erneuert werden, weil sie keine einmalige Aktion sind.

Ein reptilienfreundlicher Kompost oder Schnittguthaufen sollte deshalb:

  • mindestens etwa 1 m³ Volumen haben, besser größer
  • warm, aber nicht austrocknend liegen
  • in strukturreicher Umgebung stehen
  • nicht ständig umgesetzt werden
  • Zugang behalten
  • teilweise mit dornigem Geäst geschützt sein
  • regelmäßig mit frischem Schnittgut ergänzt werden
  • nicht im Eiablage- und Entwicklungszeitraum gestört werden

Info fauna nennt bei Ringelnatter-Eiablagehaufen als Richtwert, dass ein idealer Haufen bereits ab etwa 1 m³ funktionieren kann; ein dokumentierter Haufen mit Gelege hatte etwa 4 m³, war gut besonnt und strukturreich eingebettet.

Das ist ein guter Maßstab: Für echte Reptilienfunktion reicht ein kleiner Küchenkomposter meist nicht. Es braucht Volumen und Ruhe.

Aktiver Kompost und Ruhekompost: Die beste Lösung

Für einen Naturgarten ist die beste Lösung nicht ein einzelner Komposthaufen, an dem alles gleichzeitig passieren soll. Besser sind zwei oder drei Bereiche:

Aktiver Kompost:
Hier kommen laufend Küchen- und Gartenabfälle hinein. Er wird bei Bedarf umgesetzt und später genutzt.

Reifekompost:
Hier ruht das Material und reift aus. Weniger Störung, mehr Bodenleben.

Ruhe- oder Strukturhaufen:
Hier liegt gröberes Material, Laub, Schnittgut und teilverrottendes Material über längere Zeit. Dieser Bereich ist besonders wertvoll für Ringelnatter, Blindschleiche, Erdkröte, Käfer, Asseln, Spinnen und Igel.

Das ist fachlich sauberer als zu versuchen, aus einem ständig bearbeiteten Kompost gleichzeitig perfekten Humus und perfektes Reptilienhabitat zu machen.

Pflege: Wann darf man umsetzen?

Für normalen Arbeitskompost kann Umsetzen sinnvoll sein, um Sauerstoff einzubringen und die Rotte zu beschleunigen. Für einen ökologischen Ruhekompost ist ständiges Umsetzen schlecht.

Wenn Ringelnattern oder andere Tiere möglich sind, wird es sensibel. Reptilien-brauchen-Freunde weist darauf hin, dass in Natterhaufen ab Ende Mai bis Mitte September mit Eiern zu rechnen ist und zwischen Mitte Oktober und Ende März überwinternde Jungschlangen im Haufen sein können.

Praktisch heißt das: Wenn ein Haufen als Reptilienstruktur gedacht ist, gräbst du nicht im Kern herum. Du ergänzt lieber seitlich oder oben neues Material. Größere Eingriffe nur dann, wenn du sicher bist, dass keine Tiere oder Gelege vorhanden sind – und im Zweifel gar nicht.

Für normale Kompostpflege ohne Reptilienfokus gilt: nicht im Winter komplett umschichten, weil viele Tiere dort überwintern. Der LBV empfiehlt, den Kompost nicht im Winter umzuschlagen und damit bis zum Frühsommer zu warten.

Für Gartenexpedition wäre meine klare Praxisregel:

Arbeitskompost darf arbeiten. Lebensraumkompost bleibt in Ruhe.

Häufige Fehler

Der erste Fehler ist ein geschlossener, bodenloser Plastikkomposter als einziges System. Praktisch vielleicht okay, ökologisch schwächer.

Der zweite Fehler ist zu viel Rasenschnitt auf einmal. Das verdichtet, fault und stinkt.

Der dritte Fehler ist zu trockenes Material. Dann stoppt die Rotte.

Der vierte Fehler ist zu nasses Material. Dann fehlt Sauerstoff.

Der fünfte Fehler ist falsches Material: Fleisch, Fisch, gekochte Reste, Plastik, kranke Pflanzen, invasive Wurzelteile.

Der sechste Fehler ist ständiges Umsetzen. Für schnellen Kompost sinnvoll, für Lebensraum schlecht.

Der siebte Fehler ist Ausbringen auf Magerflächen. Kompost gehört nicht ins Sandarium, nicht ins Magerbeet und nicht auf eine artenreiche Magerwiese.

Der achte Fehler ist Panik bei Schlangen. Eine Ringelnatter im Garten ist kein Problem, sondern ein Qualitätszeichen – aber sie darf nicht gestört werden.

Beste Kombination im Naturgarten

Ein offener Kompost wird besonders stark im Verbund.

Kompost + Naturteich:
Sehr wichtig für Ringelnattern, weil sie Feuchtlebensräume und Amphibiennahrung brauchen.

Kompost + Sumpfbeet oder Feuchtwiese:
Erhöht die Chance, dass Amphibien, Laufkäfer, Schnecken und Reptilien passende Lebensräume finden.

Kompost + Wildhecke:
Die Hecke liefert Deckung, Laub, Schatten und geschützte Wege.

Kompost + Totholzhaufen:
Zersetzung oberirdisch und im Kompost ergänzt sich.

Kompost + Käferkeller:
Feuchtes Totholz, Bodenleben und Rotteprozesse bilden ein starkes Zersetzer-Modul.

Kompost + Wildstaudenbeet:
Der Kompost kann Rohstoff für normale Staudenbereiche liefern, während das Beet Blüten und Struktur für Insekten bietet.

Fazit: Der offene Kompost ist kein Abfallhaufen, sondern ein Kreislaufmodul

Ein offener Kompost ist eines der ehrlichsten Naturgartenmodule. Er zeigt, dass Biodiversität nicht nur aus Blüten besteht. Sie beginnt im Boden, in der Zersetzung, im Laub, im feuchten Material, in Pilzfäden, Wurmgängen, Asseln, Käferlarven und Mikroorganismen.

Er liefert wertvollen Humus, verbessert Bodenleben, hält Nährstoffe im Gartenkreislauf und schafft gleichzeitig Lebensraum. In passenden strukturreichen Gärten kann er sogar Ringelnattern als Eiablageplatz dienen – vorausgesetzt, er hat Volumen, Wärme, Ruhe und eine geeignete Umgebung.

Die klare Gartenexpedition-Empfehlung lautet:

Baue keinen Müllplatz. Baue einen lebendigen Rottehaufen.

Dann wird aus Gartenabfall ein Biodiversitätsbaustein.


Kurz-FAQ

Ist ein offener Kompost besser als ein Thermokomposter?
Für Biodiversität ja. Ein offener Kompost mit Bodenkontakt ist für Bodenorganismen und Kleintiere zugänglicher. Ein Thermokomposter kann praktisch sein, ist aber als Naturmodul schwächer.

Kann eine Ringelnatter wirklich Eier in den Kompost legen?
Ja, wenn die Umgebung passt. Ringelnattern nutzen warmes, verrottendes Material wie Kompost-, Mist- oder Schnittguthaufen zur Eiablage. Die Rottewärme übernimmt die Bebrütung.

Was mache ich, wenn ich Eier im Kompost finde?
Nicht anfassen, nicht umsetzen, nicht weitergraben. Haufen in Ruhe lassen. Ringelnattern sind geschützt.

Soll ich meinen Kompost regelmäßig umsetzen?
Beim Arbeitskompost kann das sinnvoll sein. Bei einem Lebensraum- oder Reptilienhaufen besser nicht. Dort wird höchstens seitlich oder oben ergänzt.

Darf Kompost auf Wildblumenwiesen oder Magerbeete?
Meist nein. Kompost erhöht den Nährstoffgehalt und kann konkurrenzstarke Gräser und Stauden fördern. Für Magerflächen ist das kontraproduktiv.

Was ist die beste Bauweise?
Halbschattig, bodengebunden, luftdurchlässig, mit grober Ästeschicht unten, guter Mischung aus feuchtem und trockenem Material und ohne Plastik, Fleisch oder kranke Pflanzen.


Quellen und wissenschaftliche Grundlage

  1. NABU: Offene Kompostbehälter ermöglichen Luft- und Wasseraustausch und sind für Gartenkompost geeignet.
  2. Umweltbundesamt: Kompost braucht Feuchtigkeit und Sauerstoff; zu viel Nässe führt zu anaeroben Bedingungen und stoppt die Rotte.
  3. Curds 1985: Gartenkomposthaufen können eine Fauna ähnlich Boden und Laubstreu tragen; besonders Regenwürmer, Weichtiere und Asseln stellen hohe Biomassen.
  4. Heisey et al. 2022: Eine Kompostgabe kann Bodenmikroben-Gemeinschaften und Pflanzenbiomasse über Monate beeinflussen.
  5. FAO: Bodenmakrofauna wie Regenwürmer, Asseln und Tausendfüßer trägt durch Zerkleinerung, Mischung und Aggregatbildung wesentlich zur Bodenstruktur bei.
  6. NABU/LBV: Komposthaufen sind Lebensräume und Nahrungsquellen für viele Kleintiere und damit indirekt auch für Vögel und andere Gartenbewohner.
  7. NABU und Biologische Station Rhein-Kreis Neuss: Ringelnattern nutzen Kompost- und andere Rottehaufen zur Eiablage; die Wärme des verrottenden Materials ermöglicht die Entwicklung der Eier.
  8. Info fauna: Eiablagehaufen für Ringelnattern brauchen ausreichend Volumen, geeignetes organisches Material, Struktur und langfristige Pflege.

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