Erfahre, warum die männliche Geburtshelferkröte die Eier an Land trägt und wie diese Strategie das Überleben sichert. Tipps für naturnahe Gärten im Mai.
In der Welt der Amphibien dominiert meist eine Strategie: Die Eiablage erfolgt in großen Mengen direkt im Wasser, woraufhin die Elterntiere den Nachwuchs sich selbst überlassen. Die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans (Laurenti, 1768)) hat jedoch einen evolutionären Sonderweg eingeschlagen. Anstatt auf Quantität zu setzen, investiert diese Art in eine intensive Qualitätssicherung durch das Männchen. Diese Verhaltensweise wird als terrestrische (landgebundene) Eiträgerschaft bezeichnet.
Im Mai, wenn die Nächte milder werden, beginnen die Männchen mit ihren flötenartigen Rufen, um Weibchen anzulocken. Anders als beim Grasfrosch (Rana temporaria) oder der Erdkröte (Bufo bufo) findet die Paarung nicht im Wasser, sondern an Land statt. Während des sogenannten Amplexus (der Paarungsumklammerung in der Lendengegend) stößt das Weibchen mehrere Eischnüre aus. Das Männchen besamt diese sofort und führt dann eine hochspezialisierte Bewegung aus: Es schlingt sich die klebrigen Eischnüre kunstvoll um seine Hinterbeine.
In den folgenden drei bis sechs Wochen trägt das Männchen dieses Gelege permanent mit sich herum. Es sucht tagsüber feuchte Verstecke unter Steinen oder in Erdlöchern auf, um ein Austrocknen der Eier zu verhindern. Nur in sehr trockenen Nächten unternimmt es kurze Ausflüge zu Wasserstellen, um die Eier kurzzeitig zu befeuchten. Dieser Prozess erfordert eine präzise Thermoregulation (Steuerung der Körpertemperatur durch Wahl des Aufenthaltsortes), damit sich die Embryonen optimal entwickeln können.
Die Verlagerung der Entwicklung an Land bietet signifikante Überlebensvorteile. In stehenden Gewässern herrscht im Frühjahr ein enormer Prädationsdruck (Druck durch Fressfeinde). Larven des Gelbrandkäfers (Dytiscus marginalis) oder verschiedene Libellenlarven wie die der Blaugrünen Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) sind hochspezialisierte Räuber, die wehrlose Eipakete im Wasser schnell dezimieren können. Durch die Eiträgerschaft an Land entzieht die Geburtshelferkröte ihren Nachwuchs dieser Gefahr fast vollständig.
Zudem sind kleine Gewässer im Mai oft instabil hinsichtlich ihres Sauerstoffgehalts und der Temperatur. An Land kann das Männchen aktiv kühlere oder wärmere Plätze aufsuchen und so die Entwicklungsgeschwindigkeit der Larven beeinflussen. Erst wenn die Larven kurz vor dem Schlüpfen stehen, sucht das Männchen ein Gewässer auf und streift die Eischnüre im Wasser ab. Die Kaulquappen, die nun schlüpfen, sind bereits deutlich weiter entwickelt und kräftiger als die Larven anderer Arten zu diesem Zeitpunkt.
| Merkmal | Strategie der Erdkröte (Bufo bufo) | Strategie der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) |
|---|---|---|
| Ort der Befruchtung | Im Gewässer | An Land |
| Anzahl der Eier | 3.000 bis 6.000 | 20 bis 60 pro Gelege |
| Schutz der Eier | Keine (Schutz durch Masse) | Aktives Tragen durch das Männchen |
| Entwicklungsort | Permanent im Wasser | Überwiegend an Land |
| Gefährdung der Eier | Hoch durch Fische und Insekten | Minimal durch Wasserprädatoren |
Damit diese komplexe Fortpflanzungsstrategie erfolgreich ist, benötigt die Geburtshelferkröte spezifische Habitate. Sie bevorzugt sogenannte Magerstandorte – Flächen mit wenig Nährstoffeintrag, viel offenem Boden und zahlreichen Versteckmöglichkeiten. In einem naturnahen Garten kannst du diese Strukturen gezielt fördern. Im Mai sind die Tiere besonders darauf angewiesen, dass ihre Wanderwege zwischen den Tagesverstecken und den Rufplätzen nicht durch Gifte oder mechanische Barrieren gestört werden.
Die Nahrung der Geburtshelferkröte besteht vorwiegend aus wirbellosen Tieren wie Laufkäfern (Carabidae), Webspinnen (Araneae) und kleinen Schnecken. Ein Garten ohne Pestizide stellt sicher, dass diese Nahrungsgrundlage in ausreichender Menge vorhanden ist.
In der Schweiz und in Deutschland gilt die Geburtshelferkröte als gefährdet. Da sie nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt ist, darfst du die Tiere niemals fangen oder umsiedeln. Die beste Hilfe ist die Bereitstellung des passenden Lebensraums, damit die faszinierende Fortpflanzungsstrategie auch in der nächsten Generation erfolgreich bleibt.
Dies schützt den Nachwuchs vor Fressfeinden im Wasser wie Libellenlarven und erlaubt dem Männchen, die Temperatur der Eier durch Standortwahl zu regulieren.
Die Hauptrufzeit liegt zwischen April und August, wobei der Mai der aktivste Monat ist. Die Rufe klingen wie kurze, helle Glockentöne.
Nein. Alle heimischen Amphiben sind nach BNatSchG streng geschützt. Umsiedlungen sind illegal und schaden den Tieren. Fördere sie nur durch Lebensraumgestaltung.
Sie ernähren sich von kleinen Wirbellosen wie Laufkäfern (Carabidae), Spinnen und Ameisen, die sie in lückiger Vegetation auf Magerstandorten finden.
Hauptartikel: Geburtshelferkröte fördern: Artenschutz durch Magerstandorte
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