Erfahre, wie du Fledermäuse im Garten schützt. Expertentipps zu insektenfreundlichen Pflanzen, Fledermauskästen und der Vermeidung von Lichtverschmutzung.
Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere weltweit, die zur aktiven Flugfähigkeit gelangt sind. In der DACH-Region leben etwa 25 Fledermausarten, die allesamt unter strengem Artenschutz stehen. In deinem Garten erfüllen sie eine essenzielle Rolle als ökologische Regulatoren: Eine einzige Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) kann in einer einzigen Sommernacht bis zu 2.000 Mücken und andere Insekten vertilgen. Damit senken sie den Populationsdruck potenzieller Schädlinge ohne den Einsatz chemischer Mittel.
Besonders im Juni ist die Unterstützung dieser Tiere kritisch. In diesem Monat befinden sich die Weibchen in sogenannten Wochenstuben (Sammelquartiere der Weibchen zur Jungenaufzucht). Der Energiebedarf der laktierenden (säugenden) Muttertiere ist extrem hoch, weshalb ein insektenreicher Garten in unmittelbarer Nähe zum Quartier über das Überleben des Nachwuchses entscheiden kann. Durch die gezielte Gestaltung deines Außenbereichs schaffst du ein wertvolles Trittsteinbiotop (vernetzendes Habitat zwischen größeren Lebensräumen).
Um Fledermäuse erfolgreich zu fördern, musst du ihre spezialisierte Lebensweise verstehen. Die Tiere nutzen zur Orientierung und Jagd die Echolokation (Orientierung durch Schallreflexion). Dabei stoßen sie im Kehlkopf Ultraschallrufe aus, die für das menschliche Ohr meist unhörbar sind. Die zurückkehrenden Echos erlauben es den Tieren, ein präzises akustisches Bild ihrer Umgebung zu erstellen. Während der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) im freien Luftraum über den Baumkronen jagt, sind Arten wie die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) darauf spezialisiert, Insekten direkt von Blättern abzusammeln.
Der Flugmechanismus basiert auf dem Patagium (Flughaut), einer dünnen, elastischen Hautmembran, die sich zwischen den extrem verlängerten Fingerelementen der Vordergliedmaßen, dem Körper und den Hinterbeinen aufspannt. Dies ermöglicht eine enorme Manövrierfähigkeit, die Vögeln oft überlegen ist. Da dieser aktive Flug energetisch sehr kostspielig ist, verfallen Fledermäuse tagsüber und im Winter in einen Torpor (Zustand reduzierter Stoffwechselaktivität), um Energie zu sparen.
Ein kritischer Faktor in der modernen Gartenpflege ist die Lichtverschmutzung (Zunahme der Helligkeit des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen). Viele Fledermausarten zeigen eine ausgeprägte Photophobie (Lichtscheu). Während die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) gelegentlich an Straßenlaternen jagt, meiden Arten wie das Braune Langohr (Plecotus auritus) beleuchtete Flächen konsequent. Künstliches Licht fragmentiert ihre Lebensräume und unterbricht Flugrouten zwischen Quartier und Jagdgebiet. Zudem locken Lichtquellen Insekten aus der Fläche ab (Staubsaugereffekt), wo sie für die Fledermäuse oft unerreichbar sind oder ineffizient gejagt werden müssen.
Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über häufige Arten in Siedlungsnähe und deren spezifische Bedürfnisse:
| Artname (wissenschaftlich) | Bevorzugtes Quartier | Jagdstrategie | Hauptnahrung |
|---|---|---|---|
| Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) | Spalten an Gebäuden, hinter Fassaden | Schneller Jagdflug in Gärten | Zuckmücken, Kleinschmetterlinge |
| Braunes Langohr (Plecotus auritus) | Dachstühle, Baumhöhlen | Absammeln von Blättern (Gleaning) | Nachtfalter, Raupen, Spinnen |
| Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) | Spechthöhlen, Fledermauskästen | Steilflug im freien Raum | Käfer, große Nachtfalter |
| Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) | Spalten im Dachbereich | Jagd entlang von Hecken und Säumen | Maikäfer (Melolontha melolontha), Wanzen |
Um die Biodiversität in deinem Garten zu steigern und Fledermäuse dauerhaft anzusiedeln, solltest du die folgenden Schritte umsetzen:
Ohne Insekten gibt es keine Fledermäuse. Ein giftfreier Garten ist daher die Grundvoraussetzung. Der Einsatz von Insektiziden (Mittel zur Insektenbekämpfung) entzieht den Tieren nicht nur die Nahrungsgrundlage, sondern führt über die Nahrungskette zur Anreicherung von Giftstoffen im Fettgewebe der Fledermäuse. Dies kann insbesondere während des Winterschlafs, wenn die Fettreserven aufgezehrt werden, zum Tod führen.
Fördere stattdessen einen Xerothermrasen (trockene, warme Magerwiesen) an sonnigen Stellen deines Gartens. Diese Standorte sind reich an Insektenarten, die an trockene Bedingungen angepasst sind und eine stabile Nahrungskette bilden. Je diverser deine Pflanzenauswahl aus heimischen Wildblumen besteht, desto stabiler ist das Nahrungsangebot über die gesamte Aktivitätsperiode von März bis Oktober.
Abschließend ist zu beachten: Fledermäuse sind sehr ortstreu. Wenn du einmal ein Quartier oder einen guten Jagdgrund etabliert hast, werden die Tiere und deren Nachkommen über viele Jahre hinweg in deinen Garten zurückkehren. Geduld ist hierbei der Schlüssel, da die Besiedlung neuer Kästen oft ein bis zwei Jahre dauern kann.
Einheimische Arten fressen ausschließlich Insekten und Spinnentiere, darunter Mücken, Nachtfalter, Käfer und Fliegen.
Nachtblüher wie die Nachtkerze (Oenothera biennis) locken Nachtfalter an, die wiederum die Hauptnahrung für viele Fledermausarten darstellen.
Künstliches Licht stört die Echoortung, vertreibt lichtscheue Arten und entzieht durch den Staubsaugereffekt Insekten aus der natürlichen Umgebung.
Ideal ist der Spätwinter oder das zeitige Frühjahr, bevor die Tiere ihre Sommerquartiere und Wochenstuben suchen.
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