Erfahren Sie, wie Sie Ihren Garten im Oktober ökologisch wertvoll für den Winter vorbereiten. Tipps zu Totholz, Laub und Winterschlaf-Quartieren für Igel & Co.
Der herbstliche Garten im Oktober ist weit mehr als eine Vorbereitung auf die kühle Jahreszeit. Während wir Menschen uns in beheizte Räume zurückziehen, beginnt für die Fauna (Tierwelt) ein Überlebenskampf gegen sinkende Temperaturen und Nahrungsmangel. Als Ergänzung zum aktuellen Gartenrundgang betrachten wir nun die biologischen Mechanismen der Überwinterung und wie du durch gezielte Vernachlässigung – ein Fachbegriff für kontrolliertes Nicht-Eingreifen – wertvolle Biotope (Lebensräume) schaffst.
Um zu verstehen, warum bestimmte Strukturen im Garten so wichtig sind, müssen wir die Strategien der Tiere betrachten. Wir unterscheiden primär zwischen drei Formen der Ruhephase:
| Tierart | Strategie | Bevorzugtes Quartier im Garten |
|---|---|---|
| Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) | Winterschlaf | Große Haufen aus Laub und Totholz, Reisig |
| Erdkröte (Bufo bufo) | Winterstarre | Tiefgehende Erdlöcher, Kellerlöcher, Steinhaufen |
| Tagpfauenauge (Aglais io) | Überwinterung als Imago (ausgewachsenes Insekt) | Unbeheizte Schuppen, hohle Baumstämme, dichter Efeu |
| Mauerbienen (Osmia) | Überwinterung als Larve/Puppe | Hohle Stängel von Brombeere (Rubus fruticosus) oder Holunder (Sambucus nigra) |
| Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) | Frostschutz durch Glyzerin | Frei im Gebüsch, oft an der Unterseite von Blättern |




Ein ökologisch wertvoller Garten im Winter zeichnet sich durch eine hohe Heterogenität (Verschiedenartigkeit) aus. Statt den Garten „winterfest“ zu machen, indem alle organischen Rückstände entfernt werden, solltest du das organische Material als Ressource begreifen.
Laub ist kein Abfall, sondern eine Isolierschicht. Unter einer Schicht aus Blättern der Rotbuche (Fagus sylvatica) oder der Eiche (Quercus robur) bleibt die Bodentemperatur deutlich stabiler als auf nacktem Boden. Dies schützt Bodenlebewesen wie Regenwürmer (Lumbricidae), die für die Bodenbelüftung im nächsten Frühjahr essenziell sind.
Totholz, insbesondere dicke Stammabschnitte, fungiert als Wärmespeicher. Legst du einen Haufen aus Gehölzschnitt an, achte darauf, diesen mit Laub aufzufüllen. Dies verhindert Zugluft im Inneren und schafft ein Mikroklima, das selbst bei zweistelligen Minusgraden im Kern frostfrei bleiben kann.
Ein häufiger Fehler ist das bodennahe Abschneiden verblühter Stauden wie der Schafgarbe (Achillea millefolium) oder der Wilden Karde (Dipsacus fullonum). Viele Wildbienenarten legen ihre Eier in die markhaltigen Stängel. Würdest du diese im Oktober entfernen und kompostieren, vernichtest du die nächste Generation dieser Bestäuber. Die Samenstände dienen zudem als natürliche Futterquelle für Vögel wie den Stieglitz (Carduelis carduelis).
Durch diese Maßnahmen verwandelst du deinen Garten in ein Trittsteinbiotop – ein Vernetzungselement in der Landschaft, das Tieren das Überleben in einer ansonsten oft ausgeräumten Umgebung ermöglicht. Geduld ist dabei die wichtigste Tugend des Naturgärtners: Die große Aufräumaktion sollte erst im Frühjahr erfolgen, wenn die Temperaturen konstant über 10 Grad Celsius liegen und die ersten Insekten ihre Quartiere verlassen haben.
Schneiden Sie Stauden erst im Frühjahr zurück. Die hohlen Stängel dienen vielen Insektenlarven als wichtiges und geschütztes Überwinterungsquartier.
Nein, vermeiden Sie jegliche Störung. Erschütterungen können schlafende Tiere wecken, was zu einem lebensbedrohlichen Energieverlust führt.
Heimische Gehölze wie die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) oder der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) bieten Beeren, die als wichtige Energiequelle dienen.
Decken Sie das Tier sofort wieder vorsichtig mit Erde und Laub ab. Ein exponiertes Tier verliert in der Winterstarre schnell lebensnotwendige Feuchtigkeit.
Hauptartikel: Gartenrundgang Oktober: Herbstpflege & Pflanztipps für mehr Biodiversität
Erhältlich bei Gartenexpedition.de
Partnerhinweis: Die verlinkten Produkte stammen von Gartenexpedition.de. Bei einem Kauf unterstützt du unsere Arbeit.
Schlagwörter
Oktober im Naturgarten: Tipps zu Wiesenpflege, invasiven Arten und Heckenpflanzung. So förderst du Biodiversität und Nachblüten für Insekten.
VertiefungAckerwinde nachhaltig regulieren: Erfahre, wie du im Naturgarten ohne Chemie gegen die Winde vorgehst. Tipps zu Bodenpflege, Mulchen und Biodiversität.
VertiefungErfahren Sie, wie Sie Hummelköniginnen beim Überwintern im Garten unterstützen. Tipps zu späten Nektarquellen, heimischen Pflanzen und sicheren Winterquartieren.
VertiefungErfahren Sie, welche heimischen Wildsträucher Vögeln im Winter wertvolle Nahrung bieten. Tipps für mehr Biodiversität und Schutz im ökologischen Naturgarten.
VertiefungErfahre, wie du Totholzhaufen im Garten anlegst und welche ökologischen Vorteile Käferburgen und Benjeshecken bieten. Perfekt für deinen Naturgarten im Oktober!
Alle Artendaten stammen aus wissenschaftlichen Quellen (CC BY 4.0 / CC0). Namensnennung gemäß Lizenzbedingungen. Vollständige Quellenübersicht →