Erfahre alles über die symbiotische Beziehung zwischen der Schenkelbiene und dem Gilbweiderich. Praxistipps für naturnahe Gärten und Sumpfbeete im Juni.
Wenn die Tage im Juni am längsten sind, entfaltet der Gemeine Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) seine leuchtend gelben Blütenstände. Während die meisten Gartenbesitzer die Pflanze lediglich als dekorative Staude für Teichränder schätzen, verbirgt sich hinter ihrer Blüte eine der faszinierendsten Abhängigkeiten der heimischen Insektenwelt. Hier triffst du auf die Schenkelbiene, vertreten durch die Wald-Schenkelbiene (Macropis fulvipes) und die Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea).
Diese Bienen sind sogenannte Ölsammler. Im Gegensatz zu fast allen anderen Wildbienenarten, die ihre Larven mit einer Mischung aus Pollen und Nektar versorgen, nutzen Schenkelbienen pflanzliches Fett. Der Gilbweiderich produziert in speziellen Drüsen, den sogenannten Elaiophoren (Öldrüsen), ein fettes Öl anstelle von zuckerhaltigem Nektar. Die Schenkelbiene hat an ihren Hinterbeinen eine einzigartige Anpassung entwickelt: eine dichte, bürstenartige Behaarung, mit der sie das Öl wie einen Schwamm aufsaugt. Dieser Vorgang wird als Oligolektie bezeichnet – die strikte Spezialisierung auf eine sehr begrenzte Anzahl von Futterpflanzen.
Das gesammelte Öl dient zwei Zwecken. Erstens vermischt die Biene es mit Pollen zu einem besonders energiereichen Nahrungskuchen für ihre Larven. Zweitens nutzt sie das wasserabweisende Fett, um die Wände ihrer unterirdischen Brutkammern auszukleiden. Da Schenkelbienen bevorzugt in der Nähe von Gewässern oder in feuchten Böden nisten, schützt diese Imprägnierung den Nachwuchs vor Schimmelpilzen und dem Ertrinken bei sommerlichen Starkregenereignissen.
Interessanterweise zieht diese Spezialisierung weitere Gäste an. Die seltene Schmuckbiene (Epeoloides coecutiens) ist ein Kuckuck unter den Bienen. Sie hat sich darauf spezialisiert, ihre Eier ausschließlich in die Nester der Schenkelbienen zu legen. Findest du also Schenkelbienen in deinem Garten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch dieser seltene Gast bald bei dir heimisch wird.
| Merkmal | Wald-Schenkelbiene (Macropis fulvipes) | Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea) |
|---|---|---|
| Bevorzugtes Habitat | Waldränder, Gebüsche, schattige Gärten | Offene Auenlandschaften, sonnige Teichufer |
| Hauptfutterpflanze | Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) | Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) |
| Flugzeit | Mitte Juni bis August | Ende Juni bis September |
| Nistweise | Selbstgegrabene Gänge in lehmigem Boden | Selbstgegrabene Gänge in feuchter Erde |
Obwohl wir uns im Garten oft auf die kleinen Wunder konzentrieren, ist die Vernetzung der Lebensräume ein globales Thema. In weitläufigen, naturnahen Auenlandschaften, die als Vorbild für unsere Garten-Sumpfbeete dienen, spielen auch große Pflanzenfresser eine Rolle. Der Elch (Alces alces) ist beispielsweise darauf angewiesen, dass solche feuchten Uferzonen erhalten bleiben, da er dort bevorzugt Wasserpflanzen und Weidenäste zu sich nimmt. Die Erhaltung von Feuchtbiotopen, ob im Kleinen durch ein Sumpfbeet oder im Großen durch Naturschutzgebiete, sichert somit die Existenzgrundlage vom kleinsten Insekt bis zum größten Säugetier.
Pflanzenauswahl optimieren: Setze im Juni den Gemeinen Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris). Zwar besuchen die Bienen gelegentlich auch den Punktierten Gilbweiderich (Lysimachia punctata), doch nach aktuellen Bestäubungsdaten ist die native Wildform deutlich ergiebiger und für die Larvenentwicklung essenziell. Vermeide gefüllte Zuchtformen, da diese oft keine funktionstüchtigen Öldrüsen besitzen.
Sumpfbeete anlegen: Schenkelbienen benötigen eine hohe Bodenfeuchtigkeit in der Nähe ihrer Futterquelle. Ein künstlich angelegtes Sumpfbeet – eine flache Grube, die mit Teichfolie ausgekleidet, mit Erde befüllt und dauerhaft feucht gehalten wird – ist der ideale Lebensraum.
Nistflächen anbieten: Die Biene gräbt ihre Gänge bevorzugt in vegetationsarmen, aber feuchten Bodenstellen. Lasse am Rand deines Teichs oder Sumpfbeets kleine Bereiche offen, ohne sie zu bepflanzen oder mit Rindenmulch abzudecken. Ein lehmig-sandiges Substrat ist hierfür optimal.
Verzicht auf Bodenbearbeitung: Da die Nester unter der Erde liegen, solltest du im Umkreis von Gilbweiderich-Beständen auf das Umgraben verzichten. Die Larven überwintern im Boden und würden durch mechanische Bearbeitung zerstört.
Indem du diese spezialisierte Wirtsbeziehung in deinem Garten förderst, leistest du einen messbaren Beitrag zur regionalen Artenvielfalt. Es ist die gezielte Unterstützung solcher ökologischen Nischen, die einen Garten von einer Grünfläche zu einem echten Refugium macht.
Das Öl des Gilbweiderichs ist energiereicher als Nektar und dient zudem der wasserfesten Imprägnierung der unterirdischen Brutkammern gegen Feuchtigkeit.
Der heimische Gemeine Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) bietet die beste Ressourcenqualität für die Larven der Wald- und Auen-Schenkelbiene.
Sie graben ihre Nester bevorzugt in feuchte, lehmig-sandige Erdböden, oft in unmittelbarer Nähe zu ihren Futterpflanzen an Teichrändern oder Sumpfbeeten.
Achte auf die auffällig verdickten und stark behaarten Hinterbeine der Weibchen, mit denen sie das gelbe Blütenöl des Gilbweiderichs transportieren.
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