Anleitung zum Bau eines frostfreien Reptilienquartiers (Hibernarium). Technische Details zu Frosttiefe, Entwässerung und Materialwahl für Eidechsen und Nattern.
Reptilien sind wechselwarme Organismen. Das bedeutet, ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebung an. Im Gegensatz zu Säugetieren wie dem Elch (Alces alces), die ihre Körperwärme aktiv regulieren, sind einheimische Reptilien wie die Zauneidechse (Lacerta agilis) oder die Blindschleiche (Anguis fragilis) darauf angewiesen, Orte aufzusuchen, die im Winter nicht unter den Gefrierpunkt fallen. Der Mensch (Homo sapiens) hat durch die Versiegelung der Landschaft viele natürliche Spalten und Erdlöcher vernichtet. Ein fachgerecht angelegtes Hibernarium – ein Begriff für eine Überwinterungsstätte – gleicht diesen Verlust aus.
Ein Winterquartier muss trocken und vor Nordwinden geschützt liegen. Ein sonniger Hangplatz ist ideal, da sich das Erdreich hier im Frühjahr schneller erwärmt und die Tiere früher aus der Kältestarre erwachen können.
Die wichtigste technische Kennzahl ist die Frosttiefe. Nach aktuellen bodenkundlichen Daten gefriert das Erdreich in DACH-Regionen in strengen Wintern bis zu einer Tiefe von 60 bis 80 Zentimetern. Um absolute Sicherheit für Arten wie die Schlingnatter (Coronella austriaca) zu gewährleisten, muss die Grube für das Quartier mindestens einen Meter tief ausgehoben werden.
Der Bau beginnt mit dem Aushub. Die unterste Schicht besteht aus etwa 30 Zentimetern grobem Kalkschotter oder frostsicherem Bruchstein. Diese Schicht dient als Entwässerungsebene, damit Sickerwasser schnell abfließen kann und die Tiere nicht im Wasser liegen. Darauf folgt der eigentliche Kern des Quartiers aus unbehandelten Natursteinen, Totholz und kopfgroßen Lesesteinen. Diese werden so geschichtet, dass zahlreiche, miteinander verbundene Hohlräume entstehen.
| Material | Funktion | Anforderung |
|---|---|---|
| Grobschotter | Entwässerung | Körnung 32/63 mm, kalkhaltig bevorzugt |
| Lesesteine | Wärmespeicherung | Sandstein oder Kalkstein, kein Beton |
| Totholz | Feuchtigkeitsregulierung | Eiche oder Robinie, markhaltige Äste |
| Sand-Lehm-Gemisch | Deckschicht | Abdeckung der Nordseite zur Isolierung |
Ein häufiger Fehler beim Bau ist die mangelnde Belüftung. Während Reptilien in der Kältestarre ihren Stoffwechsel extrem herunterfahren, benötigen sie dennoch einen minimalen Gasaustausch. Die Hohlräume im Inneren dürfen daher nicht mit Erde verfüllt werden. Nach oben hin wird das Quartier mit einer Schicht aus kleineren Steinen und einer abschließenden, lockeren Sanddecke geschützt. Wichtig ist, dass der Zugangsbereich auf der Südseite offen bleibt. Hier sollten faustgroße Öffnungen den Tieren den Einstieg in die Tiefe ermöglichen.
Durch den Bau im Juni gibst du der Konstruktion Zeit, sich zu setzen. Bis zum September, wenn die Ringelnatter (Natrix natrix) nach geeigneten Plätzen sucht, ist das Mikroklima im Inneren stabil und die Eingänge sind den Tieren bereits durch ihre sommerlichen Streifzüge bekannt.
Die Grube muss mindestens 80 bis 100 Zentimeter tief sein, damit die Tiere unterhalb der Frostgrenze sicher vor dem Erfrieren geschützt sind.
Staunässe entzieht dem Körper der wechselwarmen Tiere Wärme und führt zu Pilzinfektionen oder zum Erfrieren während der Kältestarre.
Heimische Natursteine wie Kalkstein oder Sandstein sind ideal, da sie Wärme gut speichern und natürliche Hohlräume ohne scharfe Kanten bilden.
Ja, eine Bepflanzung der Nordseite mit heimischen Wildsträuchern bietet Schutz vor Wind und stabilisiert das Erdreich um die Anlage bis zum Winter.
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