Wildbienen Überwinterung in Stängeln: Erfahren Sie, welche Pflanzen Sie im Winter stehen lassen müssen, um heimische Wildbienen zu schützen. Ökologie statt Ordnung!
In vielen deutschen Gärten herrscht im Herbst ein fataler Ordnungstrieb. Alles, was braun, trocken oder verblüht ist, landet auf dem Kompost oder in der Biotonne. Doch genau hier liegt ein massives Problem für unsere heimische Biodiversität. Etwa die Hälfte unserer oberirdisch nistenden Wildbienen ist auf Pflanzenstängel angewiesen. Diese Tiere nutzen die Halme zur Wildbienen Überwinterung. Wenn wir die Stängel entfernen, entsorgen wir den Nachwuchs ganzer Populationen.
In unserem Gartenrundgang Oktober: Wildblumenwiese & Spätblüher im Fokus haben wir bereits gesehen, wie wichtig die späten Blüten sind. Doch nach der Blüte kommt der wichtigste Teil für die Arterhaltung: das Stehenlassen der Struktur.
Nicht jeder Halm ist gleich attraktiv. Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Typen von Nistplätzen: hohle Stängel und markhaltige Stängel. Markhaltige Pflanzen werden von Arten wie der Kleinen Harzbiene oder verschiedenen Maskenbienen bevorzugt. Sie nagen ihre Nistgänge selbst in das weiche Pflanzeninnere.
Diese Pflanzenarten sollten Sie unbedingt stehen lassen:
| Pflanzenname | Stängeltyp | Bevorzugte Insekten |
|---|---|---|
| Brombeere | Markhaltig | Maskenbienen, Mauerbienen |
| Königskerze | Markhaltig | Keulhornbienen, Pelzbienen |
| Wilde Karde | Hohl/Stabil | Diverse Solitärbienen |
| Sonnenblume | Markhaltig | Grabwespen, Wildbienen |
| Holunder | Markhaltig | Blaue Holzbiene (in dicken Ästen) |
| Schilf / Reet | Hohl | Mauerbienen, Blattschneiderbienen |
Wildbienen suchen ihre Nistplätze fast ausschließlich in aufrechten Strukturen. Ein Bündel Stängel, das flach auf dem Boden liegt, ist für sie wertlos. Die Feuchtigkeit am Boden lässt das Mark faulen oder Pilzbefall entstehen. Das zerstört die empfindlichen Larven.
Lassen Sie die Pflanzen daher genau dort stehen, wo sie gewachsen sind. Falls ein Stängel im Weg steht, schneiden Sie ihn auf einer Höhe von mindestens 50 bis 100 Zentimetern ab. Den abgeschnittenen Teil können Sie aufrecht an einen Zaun binden oder in eine sonnige Ecke stecken. Wichtig ist, dass die Schnittkante nach oben zeigt. So finden die Bienen den Zugang zum Mark leichter.
Der größte Fehler passiert oft im März. Sobald die ersten Sonnenstrahlen kommen, wird der Garten „schick“ gemacht. Doch die Wildbienen im Inneren der Stängel schlüpfen oft erst im Mai oder Juni. Ein Rückschnitt vor dieser Zeit ist fatal. Beobachten Sie die Stängel genau. Wenn Sie kleine Löcher an den Enden sehen, ist das ein Zeichen für Leben.
Ein Naturgarten definiert sich nicht über Perfektion, sondern über Funktion. Braune Stängel mit Raureif überzogen sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern besitzen eine ganz eigene, stille Ästhetik. Wer Wildbienen helfen will, muss den Mut zur „Unordnung“ aufbringen.
Den Rückschnitt erledigen Sie erst im Spätfrühling, idealerweise ab Mai. So können die Larven der Wildbienen ungestört schlüpfen und den Stängel sicher verlassen, bevor die Schere kommt.
Vor allem Mauerbienen, Maskenbienen und Blattschneiderbienen nutzen die hohlen oder markhaltigen Halme. Sie legen dort ihre Brutzellen an, in denen der Nachwuchs sicher überwintert.
Ja, senkrecht stehende Stängel sind für Wildbienen deutlich attraktiver. Sie werden seltener von Feuchtigkeit und Schimmel befallen. Ein Bündel am Boden nützt den Tieren leider kaum.
Achten Sie auf verschlossene Öffnungen an den Schnittkanten oder kleine Einbohrlöcher an der Seite. Markhaltige Stängel zeigen oft dunkle Verfärbungen am Eingang der Gänge.
Hauptartikel: Gartenrundgang Oktober: Wildblumenwiese & Spätblüher im Fokus




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