Erfahre, wie du Igeln und Nützlingen mit gezielten Strukturen wie Igelburgen und Totholzhaufen sicher durch den Winter im DACH-Raum hilfst. Praxisnahe Tipps.
Im Dezember herrscht im Garten scheinbare Ruhe. Doch unter der Oberfläche und in den vermeintlich ungepflegten Ecken findet ein hochkomplexer Überlebenskampf statt. Während der Hauptartikel die ökologische Bedeutung der „Unordnung“ erläutert hat, vertieft dieser Beitrag die baulichen Maßnahmen, mit denen du gezielt Lebensräume für schützenswerte Arten schaffen kannst. Ein naturnaher Garten im DACH-Raum ist weit mehr als eine ästhetische Entscheidung; er ist ein Trittsteinbiotop (ein vernetzter Lebensraum zur Ausbreitung von Arten) in einer zunehmend versiegelten Landschaft.
Der Igel (Erinaceus europaeus) ist ein ektothermes Tier, das seine Körpertemperatur bei Kälte nicht allein durch Stoffwechselleistung halten kann. Er sinkt in den Torpor. In diesem Zustand reduziert sich sein Herzschlag von etwa 200 auf nur noch acht Schläge pro Minute. Um diesen Zustand ohne tödliche Unterkühlung zu überstehen, benötigt er ein Quartier, das zwei Kriterien erfüllt: Trockenheit und thermische Isolierung.
Ein idealer Igelhaufen besteht aus einer Basis aus grobem Reisig, das eine Belüftung ermöglicht, ohne dass Staunässe entsteht. Darüber wird eine dicke Schicht aus Laub aufgebracht. Besonders geeignet ist das Laub der Stieleiche (Quercus robur) oder der Rotbuche (Fagus sylvatica), da diese Blätter aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehalts nur langsam verrotten und ihre Struktur lange behalten. Den Abschluss bildet eine Abdeckung aus Fichtenreisig (Picea abies), die das Laub bei Wind fixiert und Regenwasser ableitet.




Nicht nur Säugetiere, sondern vor allem wirbellose Tiere benötigen Schutz. Viele Insekten überwintern als Imago (das geschlechtsreife, ausgewachsene Tier), andere als Larve oder Puppe. Ein klassisches Beispiel ist der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), der fast ungeschützt an Zweigen überwintert, indem er Glycerin als Frostschutzmittel in seine Körperflüssigkeit einlagert. Die meisten anderen Nützlinge suchen jedoch Schutz in engen Strukturen.
| Struktur | Zielarten (Auswahl) | Funktion des Quartiers |
|---|---|---|
| Totholzhaufen | Hirschkäfer (Lucanus cervus), Erdkröte (Bufo bufo) | Zersetzungswärme und Frostschutz durch Myzel (Pilzgeflecht) |
| Hohle Stängel | Maskenbienen (Hylaeus), Grabwespen (Crabronidae) | Schutz vor Fressfeinden und Nässe in Pflanzenröhren |
| Trockenmauer | Blindschleiche (Anguis fragilis), Laufkäfer (Carabidae) | Thermische Speicherung der Wintersonne in Gesteinsritzen |
| Laubschicht | Marienkäfer (Coccinellidae), Florfliegen (Chrysoperla carnea) | Natürliche Isolationsschicht über der Erdschicht |
Um die Biodiversität (die biologische Vielfalt) in deinem Garten zu fördern, solltest du die folgenden Maßnahmen bis spätestens Mitte Dezember abgeschlossen haben. Danach ist jede Störung der Tiere zu vermeiden, da das Aufwachen aus dem Winterschlaf enorme Energiereserven verbraucht, die bei Nahrungsmangel zum Tod führen können.
Oft ist das Unterlassen von Ordnung die effektivste Hilfe. Das Entfernen von Laub von Beeten entzieht dem Boden nicht nur eine natürliche Düngung durch Humusbildung, sondern vernichtet auch die Lebensgrundlage der Marienkäfer (Coccinellidae), die im nächsten Jahr als natürliche Gegenspieler von Blattläusen fungieren. Im DACH-Raum ist die Frostperiode oft unbeständig. Ein isolierender Laubmantel verhindert, dass der Boden bei kurzen Wärmeperioden zu schnell aufheizt und Tiere vorzeitig aus ihrem Winterquartier lockt.
Betrachte deinen Garten im Winter als eine Kinderstube für das kommende Frühjahr. Jeder Haufen aus Totholz und jede stehengelassene Staude ist eine Investition in die ökologische Stabilität deines Grundstücks. Indem du gezielte Strukturen schaffst, wirst du zum Mentor für ein komplexes Ökosystem, das direkt vor deiner Terrassentür beginnt.
Maßnahmen sollten bis Mitte Dezember abgeschlossen sein, damit Tiere vor dem ersten tiefen Frost einziehen können und danach nicht mehr gestört werden.
Laub von Eiche (Quercus) und Buche (Fagus) ist ideal, da es aufgrund der Gerbstoffe formstabil bleibt und nicht so schnell zusammenfällt oder verrottet.
Nein, Kontrollen stören den Torpor. Das Aufwachen verbraucht zu viel Energie. Beobachte aus der Ferne, ob der Eingang unberührt bleibt.
Viele Wildbienen und Grabwespen nutzen markhaltige oder hohle Stängel als frostgeschützte Brut- und Überwinterungsröhren für ihre Larven oder sich selbst.
Hauptartikel: Naturgarten im Dezember: Warum "Unordnung" Leben rettet & Strukturen wichtig sind
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