Erfahre, wie du im Mai die Biodiversität in deinem Garten förderst. Von der Mistbiene bis zum Anis – wissenschaftlich fundierte Tipps für naturnahes Gärtnern.
Im Monat Mai erreicht die biologische Aktivität in unseren Gärten einen entscheidenden Wendepunkt. Während die optische Wahrnehmung oft auf die Blütenpracht fokussiert ist, findet die eigentliche ökologische Arbeit häufig im Verborgenen statt. Die Biodiversität eines Gartens definiert sich nicht durch die Abwesenheit von Wildkräutern, sondern durch die Komplexität der Nahrungsnetze. Jeder Haufen aus herbstlichem Laub oder Totholz fungiert als Mikrobiotop (kleiner Lebensraum), in dem Zersetzungsprozesse die Grundlage für das gesamte Gartenjahr legen.
Ein naturnaher Garten in der DACH-Region ist ein hochsensibles Ökosystem. Nach aktuellen Bestäubungsdaten sind bereits früh im Jahr Insekten aktiv, die oft übersehen werden. Diese Tiere sind auf Kontinuität angewiesen. Wenn du im Mai zu radikal aufräumst, zerstörst du die Kinderstube zahlreicher Arten, die als Nützlinge zur biologischen Schädlingskontrolle beitragen. Ein tieferes Verständnis dieser Zusammenhänge ermöglicht es dir, deinen Garten nicht nur als Erholungsraum, sondern als wertvolles Trittsteinbiotop (vernetzender Lebensraum für wandernde Arten) zu bewirtschaften.
Ein prominenter Vertreter unter den frühen Fliegern ist die Mistbiene (Eristalis tenax). Trotz ihres wenig schmeichelhaften Namens handelt es sich um eine Schwebfliege (Syrphidae), die ein Meister der Mimikry (Nachahmung wehrhafter Tiere zum Schutz) ist. Sie sieht einer Biene täuschend ähnlich, ist jedoch völlig harmlos und eine hocheffiziente Bestäuberin. Ihre Larven, bekannt als Rattenschwanzlarven, leben in nährstoffreichem Wasser oder feuchten Substraten und tragen dort zur Reinigung durch den Abbau organischer Substanz bei.
Ergänzend dazu bietet die Aussaat von Doldenblütlern (Apiaceae) wie Anis (Pimpinella anisum) eine essenzielle Nahrungsquelle. Diese Pflanzen bieten mit ihren flachen Blütendolden auch Insekten mit kurzen Rüsseln, wie vielen Schwebfliegenarten, einen leichten Zugang zu Nektar und Pollen. Im Gegensatz zu hochgezüchteten Zierpflanzen mit gefüllten Blüten, die für Insekten ökologisch wertlos sind, da die Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt wurden, bietet der Anis echte Nahrung.
Unter der Oberfläche arbeiten im Mai Milliarden von Organismen. Regenwürmer (Lumbricidae) ziehen organisches Material in tiefere Bodenschichten und belüften das Erdreich. Dies fördert das Wurzelwachstum und die Wasserspeicherkapazität. In diesem Substrat entwickeln sich auch die Larven der Märzfliege (Bibio marci), die entgegen ihres Namens oft bis in den Mai hinein als Adulte (erwachsene Tiere) sichtbar sind. Ihre Larven sind wichtige Humusbildner, da sie Falllaub und abgestorbene Wurzeln zersetzen.
| Artengruppe | Beispielart (Lateinischer Name) | Nutzen für den Garten |
|---|---|---|
| Schwebfliegen | Mistbiene (Eristalis tenax) | Bestäubung von Obstbäumen und Beerensträuchern |
| Amphibien | Erdkröte (Bufo bufo) | Natürliche Regulation von Schneckenpopulationen |
| Doldenblütler | Anis (Pimpinella anisum) | Hochwertige Nektarquelle für spezialisierte Insekten |
| Ringelwürmer | Gemeiner Regenwurm (Lumbricus terrestris) | Bodenbelüftung und Umwandlung von Biomasse in Dünger |
| Wildbienen | Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) | Frühzeitige Bestäubung bei niedrigen Temperaturen |
Um die Biodiversität aktiv zu unterstützen, solltest du im Mai gezielte Maßnahmen ergreifen, die über das bloße Beobachten hinausgehen. Es geht darum, Störungen zu minimieren und Ressourcen zu maximieren.
Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass jede blühende Pflanze nützlich ist. Invasive Neophyten (gebietsfremde Pflanzen, die sich stark ausbreiten) wie der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) oder die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) bieten unserer heimischen Fauna kaum Mehrwert. Der Kirschlorbeer ist für fast alle heimischen Insektenarten ungenießbar und verdrängt durch seinen dichten Wuchs die Krautschicht. Ersetze solche Bestände durch heimische Sträucher wie den Weißdorn (Crataegus) oder die Schlehe (Prunus spinosa), die sowohl als Nektarquelle als auch als Nistplatz für Vögel dienen.
Auch beim Rasen gilt: Ein englischer Zierrasen ist eine biologische Wüste. Durch regelmäßigen Düngereinsatz und Herbizide wird jede Vielfalt unterbunden. Ein naturnaher Scherrasen hingegen, in dem Gänseblümchen (Bellis perennis) und Weißklee (Trifolium repens) geduldet werden, bietet zumindest eine Grundversorgung für allgemeine Bestäuber.
Indem du diese Prinzipien anwendest, verwandelst du deinen Garten in ein funktionierendes Ökosystem. Biodiversität ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenten Unterlassens unnötiger Eingriffe und der gezielten Förderung heimischer Lebensgemeinschaften.
Nein, der Maulwurf (Talpa europaea) ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Eine Umsiedlung ist illegal. Ebne Hügel einfach vorsichtig ein.
Lavandula angustifolia stammt aus dem Mittelmeerraum. Er ist zwar beliebt, gehört aber nicht zur ursprünglichen Flora der DACH-Region. Nutze lieber Wilden Majoran.
Mechanische Barrieren wie Kupferbänder, das Ausbringen von Kaffeesatz oder die manuelle Entnahme bei Dämmerung sind effektive und legale Methoden.
Torfabbau zerstört Moore, die riesige Mengen CO2 speichern und Lebensraum für bedrohte Arten bieten. Rindenkompost ist eine hervorragende Alternative.
Die Mistbiene (Eristalis tenax) sieht einer Honigbiene ähnlich, hat aber nur zwei Flügel und sehr große Augen – typisch für eine Schwebfliege.
Ein Xerothermrasen ist eine trockene, warme Magerwiese. Sie ist besonders artenreich, da hier seltene Pflanzen gedeihen, die wenig Nährstoffe benötigen.
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