Erfahre, wie du Igel, Erdkröten und Insekten durch gezielte Winterquartiere im Garten unterstützt. Tipps zu Totholz, Laub und frostfreien Rückzugsorten.
Im Hauptartikel hast du erfahren, wie du durch den gezielten Rückschnitt der Brennnessel (Urtica dioica) und die Regulierung invasiver Arten die Basis für ein ökologisches Gleichgewicht im nächsten Jahr legst. Doch während die Pflanzenruhe einkehrt, beginnt für viele Gartenbewohner die kritischste Phase des Jahres: die Überwinterung. In der kalten Jahreszeit sind heimische Tiere auf geschützte Rückzugsorte angewiesen, die sie vor Frost und Fressfeinden bewahren. Als fachkundiger Gärtner kannst du durch einfache Strukturen lebenswichtige Trittsteinbiotope – kleine, vernetzte Lebensräume – schaffen.
Um die Tiere in deinem Garten effektiv zu unterstützen, ist es sinnvoll, ihre physiologischen Strategien zu verstehen. Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen drei Formen der Winterruhe:
Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick, welche Strukturen für welche Tiergruppen im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) besonders wertvoll sind:
| Tierart | Bevorzugtes Winterquartier | Biologische Funktion |
|---|---|---|
| Igel (Erinaceus europaeus) | Große Haufen aus Laub und trockenem Reisig | Isolation gegen Frost und Schutz vor Füchsen |
| Erdkröte (Bufo bufo) | Frostfreie Erdlöcher, hohle Baumstümpfe | Schutz vor Austrocknung und tiefem Bodenfrost |
| Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) | Trockene Laubschichten, hohle Pflanzenstängel | Schutz vor Nässe und Pilzbefall |
| Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) | Geschützte Standorte an Efeu (Hedera helix) | Überwinterung als ausgewachsenes Insekt im Freien |
| Florfliege (Chrysoperla carnea) | Dachböden, Schuppen, hohle Halme | Schutz vor Zugluft und extremen Minusgraden |




Der Igel (Erinaceus europaeus) beginnt seinen Winterschlaf meist im November, sobald die Außentemperaturen dauerhaft unter sechs Grad Celsius fallen. Ein idealer Igelhaufen besteht aus einer Basis aus grobem Reisig, die mit einer dicken Schicht aus trockenem Laub von Buche (Fagus sylvatica) oder Eiche (Quercus robur) abgedeckt wird. Um das Laub gegen Wind zu sichern, legst du weitere Äste darüber. Wichtig: Der Haufen sollte an einer regengeschützten, schattigen Stelle liegen, damit die Tiere bei sonnigen Wintertagen nicht vorzeitig durch Erwärmung aufwachen und wertvolle Energie verbrauchen.
Die Erdkröte (Bufo bufo) und der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) suchen Plätze auf, die nicht gefrieren. In naturnahen Gärten sind dies oft lockere Erdhaufen, alte Mäusegänge oder Steinmauer-Fugen. Eine Trockenmauer ohne Mörtel ist hier ein wertvolles Element. Achte darauf, dass diese Strukturen tief genug in das Erdreich ragen, um die Frostgrenze zu unterschreiten. In der DACH-Region liegt diese je nach Höhenlage zwischen 50 und 80 Zentimetern Tiefe.
Viele Insekten nutzen die Diapause – eine genetisch gesteuerte Entwicklungsruhe –, um den Winter zu überstehen. Während du im Hauptartikel die Brennnesseln geschnitten hast, solltest du andere Stauden wie die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) oder die Königskerze (Verbascum thapsus) unbedingt stehen lassen. In ihren hohlen oder markhaltigen Stängeln überwintern Wildbienen und Larven. Auch der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) schätzt das Mikroklima in dichten Laubschichten am Boden, wo er vor räuberischen Vögeln verborgen bleibt.
Durch diese Maßnahmen verwandelst du deinen Garten in ein funktionierendes Ökosystem, das im nächsten Frühjahr mit einer hohen Dichte an Nützlingen startet. Diese werden dir helfen, Schädlinge auf natürliche Weise zu regulieren, ganz ohne chemische Hilfsmittel.
Warte bis März oder April, wenn die Temperaturen konstant über 10 Grad liegen und die Tiere wie der Igel (Erinaceus europaeus) sicher erwacht sind.
Nein, störe schlafende Igel nicht. Fütterung ist nur bei kranken oder untergewichtigen Tieren vor dem Winterschlaf nach Rücksprache mit Experten sinnvoll.
Viele Wildbienen und Käfer nutzen das Innere markhaltiger Stängel als Schutzraum vor Frost und Nässe während der winterlichen Diapause.
Setze das Tier vorsichtig an einen frostsicheren Ort, etwa unter einen Laub- oder Holzhaufen, damit es seine Winterstarre (Wintertorpor) fortsetzen kann.
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