Erfahre, wie du im Juni Wasserstellen im Naturgarten richtig anlegst. Tipps zu Insektentränken, Miniteichen und dem Schutz der Biodiversität im DACH-Raum.
Im Juni erreicht die Sonne im DACH-Raum ihren Höchststand. Während die Temperaturen steigen, verdunstet die Feuchtigkeit aus den Böden und Pflanzen rasant – ein Prozess, den Fachleute als Evapotranspiration (die Summe aus der Verdunstung von Bodenoberflächen und der Abgabe von Wasserdampf durch Pflanzen) bezeichnen. In dieser Zeit wird der Zugang zu offenem Wasser für die Tierwelt deines Gartens überlebenswichtig. Ein naturnah gestalteter Garten sollte daher nicht nur aus vielfältigen Pflanzen bestehen, sondern auch verschiedene Wasserquellen bieten, um die Biodiversität (die Vielfalt der Arten, Lebensräume und genetischen Varianten) aktiv zu fördern.
Der Juni ist die Hauptaktivitätszeit vieler Insekten und die Brutzeit zahlreicher Vögel. Ein erhöhter Stoffwechsel und die Aufzucht der Jungtiere steigern den Flüssigkeitsbedarf enorm. Vögel benötigen Wasser zudem nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Gefiederpflege. Sauberes Gefieder ist essenziell für die Thermoregulation (die Fähigkeit eines Organismus, seine Körpertemperatur innerhalb gewisser Grenzen zu regeln).
Darüber hinaus fungieren Wasserstellen als Trittsteinbiotope. Ein Biotop ist ein räumlich abgegrenzter Lebensraum, der eine angepasste Lebensgemeinschaft beherbergt. Besonders in dicht besiedelten Gebieten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz helfen kleine Wasserstellen dabei, Wanderungskorridore für Amphibien (Tiere wie Frösche oder Molche, die sowohl an Land als auch im Wasser leben) aufrechtzuerhalten.




Je nach Platzangebot und Zielsetzung kannst du unterschiedliche Konzepte umsetzen. Die folgende Tabelle gibt dir eine Orientierung, welche Wasserstelle für welche Zielgruppe geeignet ist:
| Typ der Wasserstelle | Hauptnutzer | Standortvorteil | Pflegeaufwand |
|---|---|---|---|
| Insektentränke | Wildbienen, Schwebfliegen | Sonnig, windgeschützt | Täglich (frisches Wasser) |
| Vogelbad | Meisen, Sperlinge, Amseln | Frei überschaubar (Schutz vor Katzen) | Täglich (Reinigung wegen Keimen) |
| Sumpfbeet | Amphibien, Libellenlarven | Halbschattig, Senke im Garten | Monatlich (Wasserstand prüfen) |
| Miniteich (Kübel) | Rückenschwimmer, Wasserläufer | Halbschattig (Vermeidung von Algen) | Wöchentlich (Teilwasserwechsel) |
Insekten wie die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) oder verschiedene Schwebfliegenarten benötigen Wasser nicht nur zum Trinken. Viele Wildbienen nutzen feuchte Erde oder Schlamm als Baumaterial für ihre Niströhren. Eine klassische Insektentränke besteht aus einer flachen Schale, die mit Steinen, Moos oder Korkstücken gefüllt ist. Diese dienen als Landeplätze. Insekten können nicht schwimmen; ohne diese festen Strukturen besteht die Gefahr, dass sie bei der Wasseraufnahme ins Wasser fallen und oberflächenspannungsbedingt ertrinken.
Selbst auf einem Balkon oder einer kleinen Terrasse lässt sich ein Miniteich realisieren. Wichtig ist hierbei die Wahl der richtigen Pflanzen, um das biologische Gleichgewicht zu halten. Im Juni entfalten viele Wasserpflanzen ihre volle Pracht. Die Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus) entzieht dem Wasser überschüssige Nährstoffe und beugt so einer Eutrophierung (Nährstoffanreicherung, die zu übermäßigem Algenwachstum führt) vor.
Für den Randbereich oder flache Zonen eignet sich das Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides). Achte beim Aufstellen eines Gefäßes darauf, dass es nicht in der prallen Mittagssonne steht. Kleine Wassermengen heizen sich schnell auf, was den Sauerstoffgehalt senkt und das Algenwachstum massiv beschleunigt.
Durch das Bereitstellen von Wasser verwandelst du deinen Garten in einen Brennpunkt der Biodiversität. Du wirst beobachten können, wie Libellen wie die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) ihre Eier ablegen oder Vögel in den frühen Morgenstunden ihr Gefieder kühlen. Es ist eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Maßnahmen, um die heimische Fauna in den trockenen Sommermonaten aktiv zu unterstützen.
Reinige Vogeltränken im Sommer täglich mit kochendem Wasser und einer Bürste. Ein täglicher Wasserwechsel ist bei hohen Temperaturen zwingend erforderlich.
Nutze nährstoffzehrende Arten wie die Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus) und Sauerstoffspender wie das Rauhe Hornblatt (Ceratophyllum demersum).
Förder natürliche Feinde wie Rückenschwimmer oder bewege das Wasser regelmäßig. In kleinen Schalen verhindert der tägliche Wasserwechsel die Entwicklung.
Insekten können nicht schwimmen. Die Steine dienen als sichere Landeplätze, damit sie ohne Gefahr des Ertrinkens die Wasseroberfläche erreichen können.
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