Erfahre, warum das Kletten-Labkraut als Wirtspflanze für Schmetterlinge wie das Taubenschwänzchen unverzichtbar ist. Tipps für den Naturgarten im DACH-Raum.
Das Kletten-Labkraut (Galium aparine) begegnet dir in deinem Garten meist als hartnäckiger Begleiter an Heckenränder oder in Beeten. Während viele Gärtner die Pflanze aufgrund ihrer Kletteigenschaften – verursacht durch rückwärts gerichtete Klimmhaare (winzige, hakenförmige Auswüchse zur Verankerung) – kritisch sehen, erfüllt sie in der Biologie deines Gartens eine unersetzliche Funktion. Als sogenannte Wirtspflanze stellt sie die Lebensgrundlage für die Larvenstadien zahlreicher Insekten dar. Ohne dieses Kraut blieben viele Schmetterlingsbesuche im Sommer aus.
Warum wählen so viele Schmetterlinge ausgerechnet dieses Kraut für ihre Eiablage? Die Antwort liegt in der Phytochemie (der Lehre von den chemischen Verbindungen in Pflanzen). Das Kletten-Labkraut enthält spezifische Iridoid-Glykoside. Das sind Bitterstoffe, die für viele Wirbeltiere ungenießbar sind, aber von spezialisierten Raupen als Fraßstimulanz genutzt werden.
Indem die Raupen diese Stoffe aufnehmen, werden sie für Fressfeinde wie Vögel oft selbst ungenießbar. Zudem ist das Kletten-Labkraut ein Stickstoffzeiger (eine Pflanze, die bevorzugt auf nährstoffreichen Böden wächst). Die daraus resultierende hohe Proteinkonzentration im Pflanzengewebe ermöglicht den Larven eine rasche Metamorphose – also die Umwandlung vom Ei über die Larve zur Puppe und schließlich zum Falter.
Einer der faszinierendsten Besucher in deinem Garten ist das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Dieser Nachtfalter, der jedoch tagaktiv ist und im Schwirrflug wie ein Kolibri vor Blüten verharrt, ist ein Wanderfalter aus dem Mittelmeerraum. Er nutzt das Kletten-Labkraut in der DACH-Region zur Eiablage für die Sommergeneration. Die Weibchen heften ihre hellgrünen Eier einzeln an die Triebspitzen. Die daraus schlüpfenden Raupen sind perfekt an das Grün der Pflanze angepasst und verpuppen sich nach etwa zwei bis drei Wochen am Boden in einem lockeren Gespinst.
Neben dem Taubenschwänzchen nutzen zahlreiche andere Arten das Kletten-Labkraut als exklusive Kinderstube. Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über einige wichtige Gäste in deinem Naturgarten:
| Schmetterlingsart (deutsch) | Wissenschaftlicher Name | Larvenzeit (Hauptphase) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Taubenschwänzchen | Macroglossum stellatarum | Juni bis August | Raupe mit charakteristischem Analhorn (spitzer Fortsatz am Hinterende). |
| Mittlerer Weinschwärmer | Deilephila elpenor | Juli bis September | Die Raupe kann ihren Vorderkörper aufblähen, um Schlangenaugen zu imitieren. |
| Labkraut-Blattspanner | Xanthorhoe spadicearia | Mai bis September | Bevorzugt junge, saftige Blätter an schattigen Standorten. |
| Kleiner Weinschwärmer | Deilephila porcellus | Juni bis August | Raupen sind dämmerungsaktiv und verstecken sich tagsüber am Boden. |
| Graubrauner Bindenspanner | Camptogramma bilineata | Ganzjährig (Überwinterung) | Die Raupe nutzt das Kraut auch als Schutz vor winterlicher Kälte. |
Im zeitigen Frühjahr, oft schon im März, treibt das Kletten-Labkraut aus. In dieser Zeit, wenn viele andere Stauden noch im Winterschlaf verharren, bietet es bereits eine dichte Blattmasse. Dies ist entscheidend für die erste Generation der Blattspanner (eine Familie der Nachtfalter mit charakteristischer Fortbewegungsweise der Raupen), die als Larven überwintert haben und nun dringend Nahrung benötigen.
Im Hochsommer hingegen dient das Kraut als Feuchtigkeitsspeicher. Die dichten Bestände am Fuß von Hecken erzeugen ein Mikroklima (klimatische Bedingungen in einem eng begrenzten Bereich), das eine hohe Luftfeuchtigkeit bewahrt. Dies schützt die empfindliche Haut der Raupen vor dem Austrocknen bei extremer Hitze.
Damit du die Biodiversität förderst, ohne dass das Kletten-Labkraut deine Zierpflanzen überwuchert, empfehle ich folgende Vorgehensweise:
Indem du das Kletten-Labkraut nicht als Feind, sondern als Kinderstube betrachtest, leistest du einen messbaren Beitrag zum Erhalt der Schmetterlingsvielfalt in der DACH-Region. Ein naturnaher Garten zeichnet sich dadurch aus, dass auch die unscheinbaren Akteure ihren Platz finden dürfen.
Nein, es ist ungiftig. Die Klimmhaare können jedoch mechanische Reizungen an Haut oder Schleimhäuten verursachen, wenn Tiere durch dichte Bestände laufen.
Entferne es vor der Samenbildung im Frühsommer. Achte dabei aber auf Raupen des Taubenschwänzchens, die ab Juni an den Spitzen zu finden sind.
Das liegt an den Klimmhaaren. Diese winzigen Widerhaken dienen der Pflanze als Kletterhilfe und unterstützen die Fernausbreitung der Samen durch Tiere.
Indirekt ja. Es lockt Schwebfliegen an, deren Larven sich von Blattläusen ernähren. Es fördert somit die natürliche Schädlingsregulierung in deinem Garten.
Hauptartikel: [Kletten-Labkraut (Galium aparine): Lästige Klette oder wertvoller Insektenmagnet?](/artikel/32335b2c-822a-4b36-9c83-9105409ee874)




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